Nürnberg: Buchvorstellung und Vortrag von Gerhard Scheit
Gerne weisen wir auf folgende Veranstaltung der AG Kritische Theorie aus Nürnberg hin:
Buchvorstellung mit dem Autor Gerhard Scheit: Quälbarer Leib. Kritik der Gesellschaft nach Adorno, ça ira Verlag, Freiburg i.B. 2011.
Noch im Todesjahr Ad
ornos war das Buch Die neue Linke nach Adorno erschienen: Es sollte damit eine Art Aufbruchsstimmung suggeriert werden, wobei die einen mit, die anderen ohne das Erbe des Verstorbenen aufbrechen wollten. Das Buch hingegen, das hier präsentiert wird, hat den Untertitel Kritik der Gesellschaft nach Adorno, könnte aber auch: Adorno nach der neuen Linken heißen. Nachdem nämlich diese Linke durch ihren Antizionismus sich selbst zerstört hat, ist jederzeit auf Adornos Imperativ zu beharren: der Nötigung, unter allen Umständen „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole“, und also Israel gegen den antisemitischen Wahn zu verteidigen. So wie die von Adorno geforderte, differenzierteste Kenntnis dieser Umstände immer den Widerspruch einschließt, dass sie erst gar nicht zu begreifen sind, wird die Möglichkeit, sie doch noch zu ändern, aus dem Denken verbannt.
Freitag, 16. Dezember 2011
19:30 Uhr
Glasbau im KUKUQ (K4 / Komm)
Königsstraße 93, Nürnberg (gegenüber Hbf)
http://kritischetheorie.wordpress.com/2011/11/07/qualbarer-leib/
Veranstaltung mit Thomas Maul
Sieg des Feminismus?
Gender Mainstreaming, islamisches Patriarchat und die antisexistische Linke
Vortrag & Diskussion mit Thomas Maul (Berlin)
Der Feminismus hat gesiegt. Die CSU ruft ein »Jahr der Frau 2011« aus und kritisiert: »Macht und Geld sind fast nirgends so männlich wie in Deutschland und nirgends werden weibliche Lebensentwürfe so entwertet wie hierzulande! […] Nur die Frauenquote sorgt dafür, dass die in den Machtetagen herrschende ungeschriebene Männerquote endlich aufgelöst wird.«[1] Die Bundesregierung verkündete jüngst, sie verfolge die Strategie des »Gender Mainstreaming […], bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen«[2]. Und um die Wertschöpfung von Arbeit in Deutschland zu erhöhen, fordert die Bundesagentur für Arbeit, »Erwerbspartizipation und Arbeitsvolumen von Frauen zu erhöhen«[3]. Handelt es sich dabei nur um durchsichtige Manöver oder konnten sich wesentliche Positionen der feministischen Bewegung tatsächlich bis in die Wählerschaft der CSU hinein durchsetzen?
Totale Vergleichung
Die Realität ist ambivalent. Die im Durchschnitt inzwischen sogar besser ausgebildeten Frauen beziehen geringere Gehälter, und wer eine gute Ausbildung hat, hat bekanntlich noch lange keinen Job, der einen aus der Umklammerung durch Familie und Ehemann befreien könnte. Dieses von Feministen beklagte Ungleichgewicht ist aber nicht mehr, wie noch im 19. Jahrhundert, einer unvollendeten Kapitalisierung geschuldet, sondern umgekehrt der vollständig durchgesetzten bürgerlichen Gleichheit selbst. Die totale Vergleichung durch das Kapital, der Männer wie Frauen ausgesetzt sind, zwingt sie in ein brutales Konkurrenzverhältnis, in dem jeder Einzelne nach Garantien sucht, um seinem Nachbarn vorgezogen zu werden. Das Geschlecht ist darüber zum Ticket geworden, es konstituiert eine Opfergemeinschaft unter anderen. Die Klage, es müssten jetzt doch endlich einmal Frauenquoten auch in den Chefetagen eingeführt werden, beruht auf einem staatsfetischistischen Verständnis von Kapitalismus: der Staat soll die Arbeit organisieren und die Kapitalisten an die Kandare nehmen. Die einen sagen: Deutschland den Deutschen, die anderen: Deutschland den Frauen, und die dritten: Deutschland den Ausländern. Der Typus des sich ständig betrogen wähnenden Ossis ist längst wieder ein gesamtdeutsches, herkunfts- wie geschlechterübergreifendes Phänomen geworden.
Das Kapital indes interessiert sich für die Befindlichkeiten der Menschen wenig. Es ist pragmatisch und nimmt, was es kriegen kann. Wenn Frauen aus historischen und geschlechtsspezifischen Gründen billiger zu haben sind, schlägt der durchschnittliche Kapitalist dieses Angebot nicht aus. Auch wenn es darum geht, den innerbetrieblichen Konkurrenzkampf zu steigern, der, wenn er nicht zu mörderisch wird, durchaus zu Höchstleitungen anspornt, sind karrierebewusste Frauen immer willkommen. Es mag bei dem einen oder anderen Unternehmer noch emotionale Vorbehalte gegen arbeitende Frauen geben, eine Zukunft hat diese irrationale, ergo: unproduktive Einstellung allerdings nicht.
Die Kopftuchfrau
Nun hat aber eine neue Akteurin die Bühne betreten: die verschleierte Frau. Das archaisch anmutende Gefängnis, das sie um den Kopf trägt, verwandelt das schönste Gesicht in eine Visage. Wo nichtmuslimische Frauen ihre Stärken und Fähigkeiten stets ins Licht zu rücken bestrebt sind, da versucht die Muslima, mit der Betonung von Demut und Unterwerfung aufzutrumpfen – also damit, kein gleichberechtigtes Warensubjekt zu sein. Eine solche Akteurin verunsichert die Gesellschaft, stellt sie doch die Grundlage des bürgerlichen Glücksversprechens in Frage: Nicht das autonome Individuum, das sich erfolgreich auf dem Markt bewährt, soll das Ideal sein, sondern der Einzelne, der vollends in seinem für ihn vorgesehenen Platz in Familie und Gemeinschaft aufgeht. Die Kopftuchträgerin ist das sichtbarste Symbol dieser Selbstpreisgabe des bürgerlichen Subjekts.
Für das Bürgertum, das in all seiner Zukunftsangst durchaus vom islamischen Modell fasziniert ist, geht es darum, dieser Versuchung zu widerstehen. Deshalb macht es sich daran, auch die Kopftuchfrau nach den Kriterien der Verwertbarkeit zu beurteilen, in der Hoffnung, aus den islamischen Familienverhältnissen das Nützliche herauszuziehen. Ob das gelingt oder ob deren Potential, wie Sarrazin meint, überschätzt wird, ist eine von jenen langweiligen und unwichtigen Fragen, welche immer wieder darauf hinauslaufen, sich dem Kapitalstandpunkt anzubiedern. Entscheidender ist, dass im Zuge dieser Debatte permanent weggeredet wird, was doch jeder sehen kann: dass die Frau unter dem Kopftuch das traute Heim nur verlassen hat, um zu besorgen, was auf den Herd kommt. Es wird abends keine geilen Partys geben, am Wochenende keinen Besuch im Fußballstadion, die Spätvorstellung im Kino ist gestrichen, und die Affäre mit zwei Männern, zwischen denen sich zu entscheiden schwer fällt, findet nicht statt. Kurz: Wer noch nicht ganz zum Zombie verkommen ist, wird das Kopftuch als Bedrohung erkennen. Es ist das Symbol der geknechteten Frau. Der Sex mit ihr ist wahrscheinlich so spannend wie die Tagesschau. Und der mit ihm dementsprechend ekelhaft; unsinnliches, rohes Hinundhergeschiebe.
Die meisten Menschen wissen sehr wohl um die nicht zu trennende Symbiose von Islam und Frauenunterdrückung. Gerade Feministinnen wie Alice Schwarzer, die sich, trotz vieler Zugeständnisse, für nicht verhandelbare Inhalte eingesetzt haben, wissen, dass es mit dem Kopftuch keine Gleichberechtigung geben wird. Zu sehr verkörpern die geknechteten Frauen das Schreckbild, gegen das Schwarzer auch dann noch gekämpft hat, als es bezüglich nichtmuslimischer Frauen längst zur Chimäre geworden war.
Die Krise der antisexistischen Linken
Die antisexistische Linke aber hat, anders als der Feminismus, ein nicht eben kleines Problem: Weil sie sich als radikal kapitalismuskritisch versteht, kann sie sich mit so reformistischen Fragen wie der nach Gleichberechtigung nicht aufhalten. Ihr geht es um mehr, und je ohnmächtiger sie angesichts der schrankenlosen Herrschaft des Kapitals wird, desto irrer wird die antisexistische Programmatik, mit der die Ohnmacht übertönt wird. Daher sprossen postmoderne Konzepte wie das des entsexualisierten Cyborgs ins Kraut. In dem Maße, wie sich die radikale Linke von profanen Forderungen der Gleichberechtigung und Unabhängigkeit entfernt, flieht sie in höhere Sphären und versucht, einen »Schutzraum« zu errichten, in dem alles gut wird. Die Marburger Gruppe »Lisa 2«, die im Juli eine Veranstaltung von Thomas Maul überfiel, lässt beispielsweise verlautbaren: »Wir haben Wut auf den Umstand, dass es Menschen gibt, die sich das Recht rausnehmen unsere Körper zu kommentieren – die unsere Grenzen anhand einer Idee von dem, was ›Normal‹ ist, verletzen. […] Wir wollen einen ›geschützten‹ Raum schaffen, indem wir üben können, wie sich bestimmte Situationen anfühlen – herauszufinden, wie Agierende empfinden könnten und wie dabei grenzüberschreitende Dynamiken mit selbstentwickelten Taktiken gebrochen werden können. Durch Rollenspiel und Reflexion kann hiermit ein Mehr an Handlungsmöglichkeiten entstehen.«[4]
Wer denkt, es ginge der Gruppe darum, dass es für kollektive Kritik eines Raumes bedarf, in welchem diese entwickelt werden kann, der irrt. Nicht um die »Öffentlichkeit«, welche sich in Vorträgen, Talkshows, Feuilletons oder Ringvorlesungen formiert und auf die Habermas und Luhmann so großen Wert gelegt haben, ist es ihr zu tun. Sie will »anfühlen« und »empfinden«, damit »Handlungsmöglichkeiten entstehen«. Damit aber wird Kritik unmöglich und driftet ins Esoterische ab. Durch Abspaltung von der Welt wird der Schutzraum zum Gefängnis und es kommt, ähnlich wie in der bürgerlichen Ehe, zu fürchterlichen Ritualen, deren Inhalt Demutsgesten und Psychoterror sind. Aus der Raumfahrt und aus Expeditionen in die Antarktis kennt man das third-quarter phenomenon, das die Probleme zusammenfasst, die entstehen, wenn Menschen auf zu engem Raum eingesperrt sind. Nach der Hälfte der Zeit, die sie zusammen verbringen müssen, also im dritten Viertel, setzt eine Verschlechterung der Stimmung ein. Es entstehen Frust und Verbitterung, die sich erst nach innen, dann gegen einen imaginierten äußeren Feind richten. Die Tatsache, dass sich solche Verhältnisse permanent in den verschiedenen linken Gruppen vorfinden lassen, lässt darauf schließen, wie stark die Innen-Außen-Unterscheidung getroffen wird. Die kapitalistischen Verhältnisse werden nicht mehr ertragen, sondern Grenzen gezogen und ein »Schutzraum« errichtet. Glücklicherweise haben solche Gruppen keine Rechtsform, so dass die Konsequenzen für den einzelnen verhältnismäßig milde sind, sofern der Ausstieg gelingt.
Mit dem Kampf für das autonome Individuum hat die Linke allerdings nur noch wenig zu tun, vielmehr gefällt sie sich darin, den zahlreichen selbst ernannten Opfergruppen, also fiktionalen Schicksalsgemeinschaften, zu ihrem Recht zu verhelfen. Nur so kann man es erklären, dass sie dem Kopftuch nichts entgegenzusetzen hat. Wo sie sonst wenig Verständnis für »die Herrschenden« und deren Kultur hat, zeigt sie sich empfänglich für die Eigentümlichkeiten des islamischen Racketwesens, welches sie ständig »kritisch« und vor dem jeweiligen Migrationshintergrund beleuchten möchte. Den »Schutzraum«, den die Antisexisten suchen, erkennen sie sogar in der islamischen Großfamilie, in der die Frauen vor den lüsternen Blicken der Männer »geschützt« werden, wieder. Ihr Idol Judith Butler meint, dass die Burka »symbolisiert, dass eine Frau bescheiden ist und dass sie ihrer Familie verbunden ist, aber auch, dass sie stolz auf ihre Familie und Gemeinschaft ist. Sie symbolisiert Modi der Zugehörigkeit innerhalb eines sozialen Netzwerks. Die Burka zu verlieren bedeutet mithin auch, einen gewissen Verlust dieser Verwandtschaftsbande zu erleiden, den man nicht unterschätzen sollte. Der Verlust der Burka kann eine Erfahrung von Entfremdung und Zwangsverwestlichung mit sich bringen, die Spuren hinterlassen wird. Wir sollten keineswegs davon ausgehen, dass Verwestlichung immer eine gute Sache ist. Sehr oft setzt sie wichtige kulturelle Praktiken außer Kraft, die kennen zu lernen es uns an Geduld fehlt.«[5]
Kritik des islamischen Patriarchats
Spätestens jetzt wäre eine Kritik am Begriff des Schutzraumes fällig. Denn in der islamischen Großfamilie wird die Tochter am Esstisch dem Vater nichts entgegenhalten können, weil sie nichts zu sagen hat. Und jeder Mensch, der sich auch nur ein Quäntchen Common Sense bewahrt hat, wird ahnen, dass auf jeden Ehrenmord tausend Fälle kommen, in denen es nicht nötig oder möglich war, bis zum äußersten zu gehen. Die Frauenhäuser sind vorwiegend von muslimischen Frauen bewohnt, es herrschen unhaltbare Zustände. Aber die Linke will und kann nicht zurück. Womöglich ist es die immer schon starke Prägung durch den Protestantismus, welche die deutsche Linke dazu führt, die permanente Gewalt in islamischen Familien klein zu reden, mit perversen Vergleichen (»Ehekrach«) zu relativieren und anstelle dessen auf Innerlichkeit zu schielen. So zaubert sie das vermeintlich stärkste Argument für das Kopftuch hervor: Frauen unter dem Kopftuch fühlen sich womöglich weniger unterdrückt als diejenigen, welche mit ihrem Körper immer in Konkurrenz zu anderen stehen. Trotz der offenkundigen Entmündigung und Unterdrückung protestieren antisexistische Linke nicht gegen das islamische Patriarchat, sie verdrängen dessen Existenz. Mit Neid und Hass reagieren sie daher auf diejenigen, die es wagen, das Offenkundige auszusprechen. Es steht diesen nicht zu, ein Urteil abzugeben, welches nicht im Konsens zustande kam. Mehr noch, es kann ein solches Urteil nicht geben. Es muss sich, von außen kommend, um eines jener Urteile handeln, das von den Agenten des Kapitalismus, Rassismus und Nationalismus kommt. Es darf daher nicht diskutiert oder widerlegt, sondern nur entfernt werden. Die Aggression, mit der sie zuschlagen, ist ein Indiz für die Wahrheit, die sie nicht ertragen. Aus genau diesem Grund haben antisexistische Schläger Veranstaltungen mit Thomas Maul in Berlin und Marburg angegriffen und ausgerechnet ihn, der sich seit Jahren publizistisch gegen die Persistenz des islamischen Patriarchats engagiert, des »Antifeminismus« geziehen.[6]
Um diesem Treiben etwas entgegen zu setzen, ist jeder, der diese Zeilen liest und die Wirklichkeit noch ertragen kann, von uns eingeladen und aufgerufen, zu einer Veranstaltung mit Thomas Maul zu kommen, auf der er versuchen wird, die oben aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Alle, die nur ihren Hass an uns abarbeiten wollen, fordern wir auf, sich stattdessen sinnvollen Aufgaben wie dem Abfassen einer Seminararbeit oder dem Tierschutz zu widmen.
Der Vortrag findet am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 19 Uhr in der SexBox, Theater Halle 7, auf dem Gelände der Kultfabrik statt. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr der Eingang der Kultfabrik, Gräfinger Straße 6, am Ostbahnhof, Ausgang Friedenstraße, um das Finden des Veranstaltungsortes zu erleichtern.
[1] http://www.csu.de/partei/jahr_der_frau/151311154.htm
[2] http://www.gender-mainstreaming.net/
[3] Bundesagentur für Arbeit, Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland, o.O., 2011, S. 14.
[4] http://lisa2.blogsport.de/praktisch-werden-antisexistisch-rollen-spielen/
[5] Judith Butler, Krieg und Affekt, Zürich – Berlin 2009, S. 86
[6] Dokumentiert auf: http://www.thomasmaul.de/2009/06/die-bockwurstparty-ist-vorbei.html
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Klarstellung
Der Münchener Blogger „Schlamassel“ lobt unseren Protest gegen die Erich-Fried-Lesung – offenbar vor allem deshalb, um der Zeitschrift Bahamas eins auszuwischen. Auf solch ein vergiftetes Lob können wir gerne verzichten.
Die Redaktion Bahamas hatte in ihrer aktuellen Ausgabe den Unterschied zwischen linken und antideutschen Interventionen erklärt und das Ganze anhand unserer Aktion illustriert: Im Gegensatz zu den linken Überfällen auf Bahamas-Veranstaltungen, die es in letzter Zeit in Bonn, Marburg oder Berlin gegeben hat, bedienen sich Antideutsche des geschriebenen und gesprochenen Wortes: Sie üben Kritik. Dem schließen wir uns an.
Unser Anliegen bei der Fried-Lesung war es durchaus, den anwesenden Antisemiten auch etwas den Abend zu vermiesen, weshalb wir tatsächlich die für den Abend geplante Inszenierung außerplanmäßig durchkreuzten. Es gab allerdings keinerlei physische Aktion, es flog kein Stuhl und auch die teilweise recht rabiaten Saalverweise wurden ohne Gegenwehr hingenommen. Ebenso sind wir keine Spaßguerilla, die bunte Kostüme und Trommeln auffährt, um keine inhaltliche Auseinandersetzung führen zu müssen. Nach einer halben Stunde haben wir ein Flugblatt verteilt und sind von dannen gezogen. Sollen die Antisemiten doch ihre Kreise drehen.
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Protest gegen Fried-Lesung
Gestern abend fand in München eine Lesung antizionistischer Gedichte Erich Frieds in der Hochschule für Philosophie der Jesuiten statt. Wir haben protestiert und dabei folgendes Flugblatt hinterlassen:
Erich Fried Chicken
Gegen den antizionistischen Gesinnungskitsch!
»Erich Fried zählt zu den bekanntesten Lyrikern der deutschen Sprache. Wenig bekannt sind jedoch seine politischen Gedichte, vor allem das Buch ›Höre, Israel!‹ von 1974«, behauptet der umtriebige Arbeitskreis Palästina ›Salam-Shalom‹ in seinem Einladungsflyer. Wie immer bei diesen Verrückten, die Wahrheit für eine Lüge verschwörerischer Mächte halten und sich ganz auf ihren antisemitischen Wahn verlassen, verhält es sich selbstverständlich genau umgekehrt: Erich Fried ist vor allem für seine als »Lyrik« verkauften Ressentiments gegen Israel bekannt; seine übrigen, nicht weniger miesen Gedichte kennt kaum noch jemand. Wäre Fried bei seinen Leisten geblieben – der Übersetzung großer Literatur aus dem Englischen – er hätte durchaus als Meister der Sprache gelten können. Aber er hat es selbst verbockt, indem er die Dichtung in den Dienst der Politik stellte und damit ihren ästhetischen Gehalt preisgab. Übrig blieb nur noch Gesinnungskitsch – und genau das ist der Grund, warum der Münchener Hamas-Sympathisantenkreis Erich Fried als einen der ihren ausgemacht hat. Wer die universelle Lüge, die Juden seien die Nazis von heute (Erich Fried) und die Palästinenser die Opfer eines »Vernichtungskrieges« (Norbert Blüm), die Häftlinge eines »Konzentrationslagers Gaza« (Giorgio Agamben), zum politischen Grundprinzip erhebt, der kann mit Kunst nichts anfangen; der braucht Propaganda. Und die bietet Erich Fried. Dabei weiß jeder, was ihn erwartet. Zum Beispiel so was:
Wollt jetzt wirklich ihr
die neue Gestapo sein
die neue Wehrmacht
die neue SA und S.S.
und aus den Palästinensern
die neuen Juden machen?
Nimmt man Ernst, was Fried da zusammengeschustert hat – und was, nebenbei bemerkt, jeden formalen Kriteriums von Lyrik entbehrt –, dann waren die jüdischen Häftlinge in Auschwitz Terroristen, die es auf Massenmord abgesehen hatten, und das Vernichtungslager nichts anderes als ein gewöhnliches Gefängnis. So denkt es sich der Antiimperialist von ›Salam-Shalom‹, der NPD-Kader und Irans Präsident Achmadinedschad.
Menschen mit solch hässlichen Gedanken können mit poetischer Erfahrung nichts anfangen, weil diese immer auf eine noch ausstehende Versöhnung verweist, die mit den gutmenschelnden Ratschlägen der Israel-Kritiker rein gar nichts gemein hat. Fordern diese, Israel solle mit seinen Todfeinden reden und darauf verzichten, sich zu verteidigen – die eigene Vernichtung also achselzuckend in Kauf nehmen –, so verweigert sich gelungene Poesie eingedenk ihres nichtbegrifflichen, ja, nicht einmal logischen Charakters jeder unmittelbar politischen Parteinahme. Ein gutes Gedicht kann verstören, aber sobald es zum bloßen Mittel gemacht wird, muss sich auch seine ästhetische Form ändern: sie wird Propaganda, Konservendichtung, Fast Food. Erich Fried war bereit, diesen Preis zu zahlen. Und deshalb hört sich das, was er als Lyrik feilbot, auch so furchtbar an:
Weil faschistische Mörder
Juden vertrieben haben
sollen jetzt faschistische Mörder
die Palästinenser
die unschuldig waren
am Tod der Juden Europas
so ermorden wie damals
die Juden ermordet wurden
Erich Fried war ein Antisemit und die seine Propaganda hören wollen, sind es auch. Sartres Feststellung, es sei unmöglich, einen guten antisemitischen Roman zu schreiben, gilt umso mehr für das Gedicht. Deshalb sind wir heute nicht hier, um Sie über die »wahren Hintergründe des Nahostkonflikts« aufzuklären oder Ihnen Ihren Antisemitismus auszureden. Wir sind gekommen, um Ihnen unsere Verachtung auszusprechen, denn wir betrachten es als unsere Pflicht, Ihren Furor wenigstens nicht unkommentiert zu lassen. Erfreuen Sie sich nur weiter an solchen Kalauern, die mit Dichtung nichts zu tun haben:
Die Krotts hatten nur eine entartete Maus,
die machte sich aus Speck nichts draus.
Was der alte Fried konnte, können wir schon lange:
Die Antisemiten sind ein Graus
und jetzt ist die Geschichte aus.
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Just say no!
Kein palästinensischer Staat mit Fatah und Hamas!
Niemand kann sich im Klaren darüber sein, wie die Zukunft aussieht. Doch die Menschen können mit einer offenen Zukunft nichts anfangen, ihnen graut vor Überraschungen. Dies sichert die Lebensgrundlage von Wahrsagern, Horoskoperstellern, Versicherungsvertretern und Samanda und Rebecca vom Astrokanal. Derselbe Umstand, der jedoch einem durchschnittlichen deutschen Sekundärtugendenbesitzer normalerweise Schauer um Schauer über den Rücken jagt und selbst den geringwertigsten Gebrauchsgegenstand spezialversichern lässt, lässt sie kalt, wenn es um die geplante Anerkennung von Palästina als Staat vor der Generalversammlung der UN im September geht. Offenbar fürchtet man die Überraschungen, die durch die Staatsgründung hervorgerufen werden können, nicht – vermutlich ahnt man, dass sie ‚nur’ Israel betreffen dürften. Sollte etwa diese Staatsgründung vom allgemeinen Tenor begleitet sein, dass Israel nun bitteschön die westliche Welt mit seinen Problemen in Ruhe lassen soll?
Israel, und besonders dessen Ministerpräsident Netanjahu, gelten gemeinhin als nicht dialogfähig, und das trotz guter Ratschläge von Seiten der internationalen Gemeinschaft. „Ich habe oft mit israelischen Politikern gesprochen und sie gedrängt, flexibel zu sein und den Palästinensern Anreize zu bieten, so dass der Dialog ohne Vorbedingungen wieder beginnen kann“, sagte beispielsweise UN-Generalsekretär Ban Ki Moon[1]. Niemanden interessiert es dabei, dass ein Dialog ohne Vorbedingungen in einer Situation wie dem sogenannten Nahostkonflikt, bei dem eine Seite unverhohlen die Vernichtung der anderen propagiert und fordert[2], einzig dem finsteren Ansinnen von Hamas und Co. zuarbeitet.
Dass Barack Obama sich neuerdings, abgesehen von einigen Gebietsaustauschen, positiv auf die Grenzen von 1967 bezieht, kann ebenfalls nur als Aufforderung zur Kapitulation vor der neuen palästinensischen Einheitsfront aus Hamas und Fatah verstanden werden. Denn auch wenn Netanjahu immer nur damit zitiert wird, dass Israel ohne die Golanhöhen nicht zu verteidigen sei, hält es keine Zeitung für notwendig, auch nur einmal die Frage zu stellen, ob er nicht Recht haben könnte. Alles, was die israelische Regierung sagt, wird, ohne das geringste Zögern, als „Kriegspropaganda“ denunziert, während die permanenten Drohungen der Palästinenser als aus der Verzweiflung geborene, aber nicht weiter ernstzunehmende Rhetorik abgetan oder, wie im Fall des irren Leitartikels von Mahmud Abbas in der New York Times[3], gar nicht erst thematisiert werden (letzteres hätte schließlich bedeutet, das Bild von der Fatah als unideologisch-gemäßigter Kraft überdenken zu müssen). So sind die einzigen, die Netanjahus Warnungen Augenmerk schenken, die Palästinenser. So äußerte sich Nabil Shaath, der 2010 palästinensischer Chef-Unterhändler bei den Friedensgesprächen in Washington war, gegenüber dem International Herald Tribune: “In einer Welt mit Nuklearwaffen, Raketen, und einer starken Luftwaffe wie der israelischen, ist es irrelevant von nicht zu verteidigenden Grenzen zu sprechen, insbesondere im Bezug auf ein kleines Land wie Palästina.”[4] Offensichtlich sind die Vorbedingungen für den Frieden, welche die einstige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir bereits in den 70er Jahren eingefordert hatte, noch längst nicht erfüllt, wenn das erste, was einem palästinensischen Offiziellen zur Verteidigung Israels einfällt, ausgerechnet Nuklearwaffen sind. Dass Netanjahu wohl kaum ernstlich in Erwägung ziehen würde, die Golanhöhen, sollten sie in syrischer Hand sein und sich von dort aus ein Angriff ereignen, mit Nuklearwaffen zu beschießen, dürfte außer dezidierten Antisemiten jedem klar sein. Doch Shaath scheint – stellvertretend für andere – so in seinem Wahn gefangen zu sein, dass er von der nuklearen Apokalypse geradezu besessen ist. Wie man selbst die Juden nicht etwa vertreiben oder diskriminieren, sondern auslöschen will, so halluziniert man sich das „zionistische Regime“ (Ahmadinedschad) als blutrünstige Ausgeburt Satans höchstpersönlich herbei.
Angesichts solcher Zustände fällt Barack Obama nichts besseres ein, als fromme Wünsche zu formulieren: “Von keinem Land kann verlangt werden, mit einer terroristischen Vereinigung zu verhandeln, die sich seiner Vernichtung verschrieben hat. Wir werden weiterhin von der Hamas fordern, dass sie die grundlegenden Pflichten des Friedens inklusive der Anerkennung des Existenzrecht Israels, der Ablehnung von Gewalt und des Einhaltens existierender Abkommen akzeptiert.”[5] Dass sich die Hamas, wollte sie dieser Forderung entsprechen, auflösen müsste, Obama also genauso gut die zweite Erscheinung Christi oder fliegende Schweine fordern könnte, müsste ihm dabei eigentlich klar sein.
Niemand kann es den Palästinensern verdenken, dass sie der Situation, in Camps leben zu müssen und keine Bildung zu erhalten, entfliehen wollen. Beide Umstände sind allerdings der Palästinenserbehörde in Kooperation mit der UN sowie den angrenzenden arabischen Staaten zu verdanken – und eben nicht Israel. Die Palästinenserbehörde erhält den Flüchtlingsstatus künstlich aufrecht und verbietet es den Kindern der „Flüchtlinge“, am Unterricht teilzunehmen[6]. Israel ist dagegen der einzige Staat im Nahen Osten, in dem eine Demokratie westlichen Zuschnitts besteht, Homosexuelle ihre Beziehungen öffentlich zeigen können und in dem Frauen die selben Rechte wie Männer haben. In einen Landstrich zurückzukehren, den ihre Großeltern zuletzt gesehen haben, befreit die palästinensische Bevölkerung nicht von den korrupten, terroristischen und willkürlichen Führern, die sie selbst unterstützen und deren Vereinigung sie abfeiern. Einen Vorgeschmack auf das, was diese Führer mit der israelischen Bevölkerung vorhaben, bot der sogenannte Nakba-Tag, als sie hunderte Berufspalästinenser an der libanesischen Grenze Steine auf israelische Soldaten werfen ließen und weitere Horden auf den Golanhöhen, bei Hebron und von der West Bank aus auf Israel losjagten oder dies symbolisch auf die israelische Botschaft in Kairo taten[7]. Dies wiederholte sich am Naksa-Tag von syrischer Seite.
Diese abgesprochenen Attacken von allen Seiten verweisen zusammen mit der nur als zweites Seeräuberkommando zu bezeichnenden[8] Free-Gaza-Flotilla darauf, dass die Aggressoren weder bilaterale Friedensabkommen noch internationales Recht akzeptieren, sondern einzig und allein ihren antisemitischen Vernichtungswillen durchsetzen wollen. Dass dafür radikalen Mohammedanern und anderen Irren jedes Mittel und jede Lüge gerechtfertigt ist, kann u.a. in der von der Al-Azhar-Universität in Kairo goutierten Übersetzung The Classic Manual of Islamic Sacred Law auf den Seiten 744-746 nachgelesen werden. Jede Ausrichtung einer palästinensischen Staatsgründung nach den palästinensischen Vorgaben – anderen wird der Block aus Hamas und Fatah niemals zustimmen – hat somit zweifelsohne die Vernichtung Israels zum Ziel. Im Angesicht dieser Bedrohung zu fordern, der Bedrohte solle den Bedrohenden Anreize schaffen, damit der Dialog ohne Vorbedingungen geführt werden könne, ist blanker Hohn. Es liegt auf einer Linie mit der bisherigen Rolle der UN bezüglich Israels, die zwar reichlich Resolutionen gegen den Mitgliedsstaat Israel, nicht aber gegen eine terroristische Organisation wie die Hamas fertig bringt.
Auch in München ist die Stadt bemüht, sich dieser Linie anzupassen. Wie schon die Jahre davor unterstützte sie finanziell die „Palästinatage“, die unter anderem im Eine-Welt-Haus und im Gasteig stattfanden und auf einer illustren Veranstaltung den angeblich gewaltlosen Widerstand von Palästinensern hochjubeln ließen, um vom antisemitischen Terror nicht reden zu müssen. Diese Veranstaltung bildete den Abschluss der von hinlänglich bekannten Gestalten des „Münchner Friedensbündnisses“ und des „Palästina Komitees München“ ausgerichteten Hetzkampagne gegen Israel. In einer dieser Veranstaltungen im Gasteig wurde die so genannte Einstaatenlösung propagiert, auf ausliegenden Texten wurde vor „jüdischer Paranoia“ gewarnt. Die Idee dieser Einstaatenlösung ist simpel: Alle Palästinenser, inklusive dritter und vierter Generation aus anliegenden arabischen Staaten, sollen auf dem Gebiet Israels samt Gaza und West Bank dieselben Bürgerrechte wie die Israelis erhalten. Die Golanhöhen sollen, was keineswegs eine Überraschung darstellen dürfte, dabei wieder Syrien zufallen. Zu der seit ihrer Vertreibung bzw. Flucht von 700.000 auf 3,7 Mio. gestiegenen Anzahl palästinensischer „Flüchtlinge“ (interessant ist bei dieser Entwicklung die inflationäre Verwendung des Begriffes „Völkermord“; der einzige Völkermord, der zu einem Bevölkerungsanstieg geführt hat) kämen dazu noch knapp 5,7 Mio. aus anderen Staaten dazu[9]. Dem ständen 5,8 Mio. jüdische Einwohner gegenüber, die dadurch eine Minderheit werden würden: Israel als souveräner jüdischer Staat und Schutzraum für alle vom Antisemitismus Verfolgten wäre erledigt. Die Hamas, welche durch ihr Bündnis mit der Fatah in der öffentlichen Meinung zwar an Seriosität gewonnen, allem Vernehmen nach aber nichts an ihrer Einstellung geändert hat, schlägt in ihrer immer noch gültigen Charta zum Umgang mit dieser Minderheit Folgendes vor: „Der Tag des Jüngsten Gerichts wird nicht kommen, bis die Moslems die Juden bekämpfen (die Juden töten), wenn die Juden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Die Steine und Bäume werden sagen O Muslime, O Abdulla, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.”[10]
Scheich Yunus al-Astal, Imam und Rechtsgelehrter der Hamas, legte 2008 den Koranvers „durch Feuer leiden ist das Schicksal der Juden in dieser und der nächsten Welt“ so aus: „Der Grund für diese Strafe durch Verbrennen ist, dass es die angemessene Strafe dafür ist, was sie getan haben. Aber die dringliche Frage ist, ob es möglich ist, dass sie die Strafe des Verbrennens in dieser Welt bekommen, vor der großen Strafe des Schmorens in der Hölle? Viele religiöse Anführer sind dieser Meinung. Deshalb sind wir sicher, dass der Holocaust erst über die Juden kommen wird.“[11] Sie sind sich deshalb so sicher, weil sie den zweiten Holocaust selbst planen.
Wenn die Palästinenser im September von der UN einen Staat zugesichert bekommen, könnte dieser widerliche Antisemit und Holocaustleugner tatsächlich insofern Recht haben, als dass die Vernichtung der Juden auf israelischem Boden gelingen kann. Wenn das passiert, dürfte das den durchschnittlichen deutschen Sekundärtugendenbesitzer noch unter Umständen betroffen machen, ihn aber ebenso wenig wie Barack Obama und die UN überraschen. Was Samanda und Rebecca vom Astrokanal dazu sagen würden, ist uns allerdings nicht bekannt.
[1] Laut AFP vom 20.05.2011
[2] z.B.: Hamas Prime Minister in Gaza Ismail Haniyeh urged the PLO Friday to rescind its recognition of Israel in response to the Jewish state’s objection to the Palestinian unity agreement. Haniyeh said that there was no justification for recognizing the „Israeli entity“ in wake of Israel’s objection to Palestinian rights and unity. „Their presence on our land is illegal and cannot be recognized,“ the Hamas leader said. (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4062337,00.html).
[3] http://www.nytimes.com/2011/05/17/opinion/17abbas.html?_r=1&src=rechp vgl. auch http://www.theatlantic.com/international/archive/2011/05/was-mahmoud-abbass-family-expelled-from-palestine/238999/
[4] http://www.nytimes.com/2011/05/21/world/middleeast/21palestinian.html?ref=israel
[5] http://www.jpost.com/DiplomacyAndPolitics/Article.aspx?id=221711
[6] http://www.welt.de/politik/ausland/article13386241/Palaestina-Das-halb-fertige-Vaterland.html
[7]http://www.nytimes.com/2011/05/16/world/middleeast/16mideast.html
[8] Man vergleiche hierzu die fantastische Aktion in Leipzig bei einem Vortrag der Frauendecksitzerin Inge Höger (http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/heimkehr-einer-veteranin/) im Bezug auf die Mavi Marmara
[9] Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinenser
[10] http://avalon.law.yale.edu/20th_century/hamas.asp
[11] http://www.nytimes.com/2008/04/01/world/middleeast/01hamas.html?_r=1&scp=9&sq=hamas&st=cse&oref=slogin
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Raumänderung
Besucher bisheriger Monaco-Veranstaltungen haben es vermutlich schon erwartet: Da der Bayerische Flüchtlingsrat uns jetzt doch den Raum für unsere Buchvorstellung Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft abgesagt hat, haben wir einen neuen Veranstaltungsort ausfindig gemacht. Damit alle den Raum finden – vor allem auch diejenigen, die diese Mitteilung nicht lesen – treffen wir uns am Freitag, den 17. Juni, pünktlich um 19:30 Uhr vor dem Bayerischen Flüchtlingsrat (Augsburgerstraße 13; Nähe Sendlinger Tor) und fahren dann gemeinsam zum unweit gelegenen neuen Ort der Veranstaltung.
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Zur Tötung Bin Ladens (über die wir uns sehr freuen)
Hat ein weltbekannter Mörder
Massen, Menschen, Mengen – tot
schließlich selbst ins Gras gebissen
regt sich bei dem Unmensch gleich
ungestüm und leidenschaftlich
- sein Moralgewissen
Reicht die Emotion für zwei
für Nation und Terroristen
da beginnt die Spielerei
schon erprobt an den Faschisten
Was ist gut und was ist böse
wer will hier den Richter spielen
weiß man wirklich so genau
wer auf welcher Seite steht?
Und die Träumerei geht weiter
widmet sich den letzten Stunden
Was wohl hat der Mann gedacht
einsam und verlassen?
Bis er dann die Kugel
die das Völkerrecht durchschlagen
unbewaffnet ruhig empfing.
Himmel welch ein Untergang
darf man hier nochmal erleben.
Zum Gefühl kommt die Vernunft
so ein Drama braucht Respekt
und da darf sich keiner freuen
oder denken: endlich weg!
Denn das muss der Mensch verstehen
alle Seelen sind so zart
und Osamas Seele mehr noch
drum war er so mega hart.
Allen voran die „Süddeutsche“, die allen Ernstes fragt, ob Osama „im Angesicht des Todes noch Zeit hatte, die Worte ,La ilaha illa allah’ (Es gibt keinen Gott außer Gott) zu sprechen?“. Denn nur, wenn er das getan hat, könnten seine Anhänger sicher sein, dass er ins Paradies kommt
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Buchvorstellung: Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft
Vorstellung des Buches Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft (ça ira Verlag 2011)
An deutschen Universitäten, besonders in der akademischen Linken, liegt über den Charakter der postmodernen Philosophie ein interessiertes Missverständnis vor: Dass es sich bei ihr nämlich um die legitime Nachfolgerin der Kritischen Theorie handele, ja, um kritische Theorie auf Höhe der Zeit. Ein Affront gegen alle, die es ernst meinen mit der Kritik – denn tatsächlich ist postmoderne Philosophie nichts anderes als “das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie” (Adorno). Weil der radikale Bruch mit dem Denken, das zu Auschwitz führte, ausblieb, weil vielmehr bereits in den sechziger Jahren gerade von links in vermeintlich tabubrecherischer Weise versucht wurde, die nationalsozialistische Philosophie für scheinbar “emanzipatorische” Projekte nutzbar zu machen, erscheint die deutsche Ideologie heute als links und progressiv.
Diese neueste deutsche Ideologie ist nicht nur eine philosophische Strömung, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Tendenz. Die postmoderne Übung, jede allgemeine Begriffsbestimmung als “logozentrisch” und jede Betrachtung der Gesellschaft unter Vernunftkriterien als totalitär zu denunzieren, ist sowohl Reflex der objektiven Unbrauchbarkeit der Welt unter den Verhältnissen spätkapitalistischer Vergesellschaftung als auch der Versuch einer Sinnstiftung ebendieser Verhältnisse. In seinem Kult der Unmittelbarkeit schließlich sucht der Poststrukturalismus den Schulterschluß mit dem radikalen Islam und verrät jede Idee von Versöhnung.
Alex Gruber (Wien) ist Mitglied bei Café Critique, Philipp Lenhard (München) Redakteur der Zeitschrift Prodomo.
Freitag, den 17. Juni 2011, 19:30 Uhr
Im Bayerischen Flüchtlingsrat, Augsburgerstraße 13, 80337 München (Nähe Sendlinger Tor)
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Mitschnitt des Vortrags von Uli Krug
Hier kann man nun den Mitschnitt des Vortrags „Uff de’ schwäb’sche Eisebahne…“ Der Protest gegen Stuttgart 21 als Spielwiese der Gegensouveränität von Uli Krug runterladen:
http://www.mediafire.com/?rk4cmkk4kgk6b6s
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Zum Kinostart von „Tal der Wölfe: Palästina“ in Deutschland
Nachdem die FSK den Film „Tal der Wölfe: Palästina“ zunächst aufgrund des offensichtlich antisemitischen Charakters nicht frei gegeben hatte, hat man sich nun umentschieden: Ab heute ist der Film in deutschen Kinos zu sehen. In München hat es sich das Mathäser nicht nehmen lassen, diesen astreinen Nazidreck zu zeigen. Wir rufen dazu auf, gegen die Ausstrahlung des Films zu protestieren. Telefonisch oder per mail geht das am besten bei:
Mathäser-Kino: (089) 515651 | kontakt@cine-art.de
Oberbürgermeister Christian Ude: (089) 233 9 25 27 | http://direktzu.muenchen.de/ude
Im Folgenden dokumentieren wir ein passendes Flugblatt der Georg-Weerth-Gesellschaft aus Köln, das hier auch in türkischer Sprache zu finden ist:
Das Tal der Türken, oder:
Ne mutsuz türkum diyene (1)
Der unverwechselbare, individuelle Mensch stirbt aus, wenn es ihn je wirklich gegeben hat. Jeder und jede ist insofern austauschbar, als dass seine Lohnarbeit – sofern er noch eine hat – und seine sozialen Funktionen jederzeit vom Nächstbesten übernommen werden könnten. Die Einzelnen leben unter dem Eindruck einer prinzipiellen Überflüssigkeit und Abhängigkeit vom unberechenbaren Gott dieser Welt, dem Kapital, und seinem herrschsüchtigen Propheten, dem Staat. Die Menschen verbeugen sich – unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben – regelmäßig vor den Geldautomaten, der wahren Qibla (2), und kämpfen in einem Heiligen Krieg aller gegen alle, in einem trostlosen Wettbewerb um Arbeitsplätze, Ausbildungsstellen, Beförderungen usw. Da sie wissen, dass sie in diesem Kampf allein nicht auf Dauer bestehen können, rotten sie sich, meistens ihren jeweiligen Traditionen folgend, zu Familien, Klans, Stämmen, Nationen, Religionsgemeinschaften zusammen, zu irgendeiner Art von „Wir“, das sie vor der Erfahrung der Ohnmacht schützen soll.
Doch der Preis für dieses schützende „Wir“ kann sehr hoch sein: Es lässt sich zunehmend beobachten, dass so manches „Wir“ – hier sei vor allem die islamische Identität genannt – die totale Unterwerfung des „Ich“ verlangt, und es gibt nicht wenige „Ichs“, denen es zur Lust geworden ist, sich selbst durchzustreichen und die sogar in der Unterwerfung (arab. islām), von (Selbst-)zerstörungswut angetrieben, mehr oder weniger bewusst den erlösenden Tod suchen, nach dem sie sich sehnen. Die Gemeinschaft, von der man sich Anerkennung und Respekt erhofft, verlangt dafür Anpassung und Gehorsam. Die Ehre, die man für sein Rückgrat hält, erniedrigt und verkrüppelt einen erst recht, weil man dafür als Individuum die Würde opfert.
Unter den zahlreichen Zusammenrottungen von Einsamen ist jene mit der Selbstbezeichnung „Türke“ eines der erbärmlichsten, bedauernswertesten, aber deshalb nicht weniger gefährlichen Identitätsangebote – dies gilt insbesondere bei Menschen, die sich in Deutschland aufhalten. Sich als „Türke“ zu definieren bedeutet aktuell unglücklich, unmündig und auch noch stolz darauf zu sein und zumindest seit der Gründung der Türkischen Republik 1923 schließt es immer auch die Feindschaft gegen „ausländische Mächte“ (mal Griechenland, mal Russland, mal der ganze Westen), „innere Feinde“ (wie Aziz Nesin, Hrant Dink, oder die Ergenekon-Verschwörer) und seit Erdoğans Machtantritt zunehmend „Ungläubige“, das heißt Christen und Juden, ein.
Der Film „Tal der Wölfe: Palästina“, der ab heute gezeigt wird, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, stellt einen konsequenten Tiefpunkt dieses türkischen Elends dar. Der Besuch des Kinos durch zahlreiche junge Menschen mit „Migrationshintergrund“, die die Heimat ihrer Vorfahren mit einem Fußballverein verwechseln, dem man begeistert durch dick und dünn, durch dumm und dümmer zu folgen hat, fügt dieses Kinoereignis perfekt ins deutsche Elend ein. Denn der extreme Antisemitismus des Films, der auf einen Aufruf zur „Rache an den Zionisten“, also zum Judenmord, hinausläuft, wäre so niemals in einem deutschen Film möglich gewesen. Die „Türken“ aber sind für die Verantwortlichen eine minderwertige Kundschaft, die nur eine jämmerliche Intervention der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (nun FSK ab 18), aber nicht die Anwendung des Volksverhetzungsparagraphen wert gewesen ist. Und nicht wenige Deutsche freuen sich, dass andere hinausbrüllen, was man hierzulande heute immer nur andeutet: „Die Juden sind unser Unglück.“ In deutschen Betrieben sind die „Türken“ traditionell fürs Grobe zuständig, warum sollen sie also nicht auch in der öffentlichen Debatte die Drecksarbeit übernehmen? So erklärt sich, dass z.B. Claudia Roth den Vorgängerfilm „Tal der Wölfe: Irak“ zwar „richtig schlecht“, aber nicht volksverhetzend fand. Wer also als „Türke“ den neuen Film feiert, bei jeder Mordszene aufspringt und Allahü ekber schreit, wie damals in vielen deutschen Kinos geschehen, spielt genau die Pitbull-Rolle, die ihm islamische Hetzer und antirassistische Israelkritiker zugedacht haben.
„Tal der Wölfe“ bringt die Propaganda für die angestrebte Politik des Ministerpräsidenten Erdoğan und seines Außenministers Davutoğlu auf das Niveau der türkischen Untertanen. In den Racheorgien des Filmhelden Polat Alemdar durchläuft die Republik Atatürks ihre letzte Verwandlung, bevor sie zu einem islamischen Gefängnis wird. Wie der Nachbar Iran, mit dem sich die neue Türkei prächtig versteht, wird man keine andere Krisenlösung mehr kennen als die Hetze gegen den Westen und vor allem gegen die „zionistischen Agenten“ des Staates der Juden, Israel. Während die Massen durch inszenierte antiisraelische Sensationen wie die Mavi Marmara in Stimmung gebracht werden, verschwinden in Ankara und anderswo die letzten kemalistischen Widerstände, die Armeeführung wird ausgetauscht und die Staatsanwaltschaften werden mit Erdoğans Freunden besetzt.
Der Hass auf die Juden und ihren Staat ist nicht nur ein Manipulationsmittel, um den ewigen Konflikt mit Kurden und Aleviten durch die Verlagerung auf einen gemeinsamen Feind ruhigzustellen. Und es geht auch um mehr als Erdoğans Ehrgeiz, sich in der Region als neo-osmanischer Beschützer der Muslime (Şeyh-ül İslam) anzubieten und eine „gelenkte Demokratie“ zu etablieren: Der Antisemitismus alla turca ist ein wahnhafter, von den unmündigen Massen getragener Drang zu Verfolgung und Vernichtung. Er war, wie die Armenier-Massaker beweisen, als Impuls schon im alten Kemalismus enthalten und macht sich sowohl bei Linken als auch bei Rechten, Islamisten und Nationalisten in Gestalt absurder Verschwörungstheorien sowie peinlicher, todessehnsüchtiger und stets racheheischender Märtyrerverehrung bemerkbar. Alle Strömungen der Türkei scheinen, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, tatsächlich in einem tiefen ideologischen Tal zusammenzulaufen, in dem die barbarischen Wölfe heulen. Und die in Deutschland mitheulenden und -jaulenden Narren, die, anstatt sich einen anständigen amerikanischen Film oder einen Klassiker von Kemal Sunal anzusehen, aus einem Kinosaal eine miefige Wolfsschanze machen, drücken ihren Wunsch aus, sich unter der Führung des nächstbesten Alpharüden zu einer unmenschlichen Meute zusammenzurotten.
Der Grund für diese Intervention ist die Solidarität mit Israel, mit dem einen Staat also, der gegründet wurde, um die Verfolgung und Vernichtung der Juden praktisch – und das kann angesichts der Lage nur heißen: bewaffnet – zu verhindern. Es ist notwendig, die Feinde Israels, ob sie in Gestalt offen antisemitischer Wolfsrudel oder im Namen der „kritischen Freundschaft“ auftreten, als die Totengräber jeder Hoffnung auf Glück in einer menschenwürdigen Gesellschaft, auf „Verschiedenheit ohne Angst“, zu entlarven und sich ihnen in den Weg zu stellen.
Lang lebe Israel! İsrail bin yaşasın!
Anmerkungen:
(1) Wie unglücklich ist, wer sagt: Ich bin Türke
(2) islam. Gebetsrichtung nach Mekka
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