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Luftschlösser aus Wahngebilden

Posted in Texte by monacoverein on August 5, 2010

Die Münchner Linke wehrt sich gegen ideologiekritische Belästigungen

Unsere Ankündigung, Mitte Juli einen Vortrag zum Thema Warum es um Israel geht mit Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller zu veranstalten, versetzte die Münchner Linke in helle Aufregung. Schließlich fürchtete man zu Recht, dass Wertmüller die linke Kumpanei mit islamischen Gotteskriegern wie denen vom Hamas-Solidaritätsschiff „Mavi Marmara“  denunzieren würde, die sich in den letzten Monaten in zahlreichen Veranstaltungen – etwa im Eine-Welt-Haus und im etablierten Gasteig – manifestierte. Weil niemand hören sollte, wie antisemitisch die hiesige Linke ist, bedurfte es gehöriger Anstrengungen, um die Wahrheit wegzuzensieren. Den Staat braucht man dazu gar nicht mehr, denn der ist in den Augen der Linken ohnehin zu zögerlich, wenn es darum geht, mutmaßliche Volksfeinde zu verfolgen. Deshalb nahm die Linke selbst das Heft in die Hand und spielte sich als Zensurbehörde im Auftrag des Gemeinwohls auf. Das Volk, so weiß man, hat ein Recht darauf, von ätzender Ideologiekritik verschont zu bleiben. Und so mobilisierte die linksextreme Wagenburg mit einem Eifer gegen die Veranstaltung, den man sonst nur von Aktionen gegen NPD-Parteifeste und Nazi-Konzerte kennt. Zweimal musste der Veranstaltungsort verlegt werden, weil ein halbes Dutzend Denunziationsanrufe bei den Betreibern einging. Zunächst weigerte sich der Sozialarbeiter vom Kreisjugendring, der formell im Club „Neokeller“ das Sagen hat, eine Veranstaltung, auf der das Bedürfnis nach „Israelkritik“ als antisemitischer Reflex enttarnt werden sollte, in den Räumlichkeiten stattfinden zu lassen, weil das – man höre und staune – „rassistisch“ sei. Ob die Begründung für die Absage stichhaltig ist oder nicht, ob sie nur halbwegs rational nachvollziehbar ist, das ist bereits egal, denn es reicht vollkommen aus, sich von den Wogen des gesunden Volksempfindens mitreißen zu lassen und bloß nicht auszuscheren. Dass ein städtischer Angestellter Maßnahmen gegen Veranstaltungen, die sich ganz parteiisch für Israel aussprechen, ergreifen kann, verwundert zwar angesichts der mehrheitlich antizionistischen Stimmung in diesem Land nicht, aber das macht die Sache nicht besser. All die hochtrabenden Reden von der „besonderen Beziehung“ Deutschlands zu Israel gelten keinen Pfifferling mehr, wenn es konkret darum geht, sich unmissverständlich für Israel zu positionieren oder auch nur – wie in diesem Falle – einer solchen Positionierung das demokratische Recht auf Meinungsfreiheit zuzubilligen. Dass es sich bei der Solidarität mit dem jüdischen Staat nicht um eine „Meinung“ handelt, sondern um ein Gebot der Vernunft, kann man überzeugten Demokraten sowieso nicht beibringen; dass aber die gebetsmühlenartig beschworene „Toleranz“ tatsächlich nur für diejenigen gilt, die den volksgemeinschaftlichen Konsens nicht infrage stellen, zeigt darüber hinaus, wie totalitär diese Gesellschaft nach wie vor ist.

Das gilt nicht nur für die Sozialarbeiter, von denen man schon deshalb nichts anderes erwartet, weil es sich bei Leuten, die diesen Beruf ergreifen, zumeist um notorische Weltverbesserer und Gutmenschen handelt, die aus reinem Bauchgefühl heraus – also fern von jeder kritischen Reflexion – auf der Seite der „Unterdrückten“ stehen, was im Nahostkonflikt selbstverständlich die Palästinenser seien. Soviel hat man doch schon mitbekommen aus der linksliberalen Presse, die man für „kritisch“ hält. Und so überraschte uns auch das Maß an Zynismus nicht wirklich, das sich im Anschluss an die Veranstaltung in einem persönlichen Gespräch zeigte, als in sarkastischer und emotionalisierter Aufwallung lautstark über die „armen, armen Israelis!“ gespottet wurde. Auch Gastronomen wie die vom „Goldenen Hirsch“, die dem Norman Paech gerne Raum für seine Hetzpropaganda gegen den jüdischen Staat zugestehen, lassen sich von ein paar abgehalfterten SDAJ-, DKP- und linksautonomen Blockwarten dazu bringen, eine Veranstaltung mit einem dezidiert nicht-linken Kritiker von Staat und Kapital wie Justus Wertmüller trotz der Aussicht auf ein lukratives Geschäft abzusagen. Einzig der gediegene Löwenbräukeller scherte sich offenbar nicht darum, dass er einen pro-israelischen Referenten in seinen Räumlichkeiten beherbergte, weil den – trotz der mehrmaligen Raumverlegung – immerhin 70 Leute hören wollten.

So sehr das Spektakel zeigte, wie groß das Bedürfnis nach radikaler Ideologiekritik in München ist und dass viele von der linken Szenegemeinschaft angewidert sind, so sehr ist doch noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Hetze der Linken, einschließlich der bereitwilligen Kollaboration des Kreisjugendringes und des „Goldenen Hirschen“, kein Zufall war, sondern Ausdruck eines Geisteszustandes, der in Deutschland, zumal in der SZ-Stadt München, hegemonial ist. Warum, das sei hier kurz umrissen.

Ludwigs Scheinwelt

München ist ein Touristenmagnet. Das Oktoberfest, die bayrische Esskultur und Trachtenunkultur, besonders aber die vielen Prachtgebäude ziehen Japaner genauso wie Amerikaner und Russen an – einzig die saudischen Prinzen mit ihrem weiblichen Sklavenanhang interessieren sich mehr für die Luxusgeschäfte und die Schönheitschirurgen am Starnberger See. Bei alledem verdienen die Münchner gut mit: Seien es die Gastwirte, die Textilindustrie, der Einzelhandel, die Privatkliniken und, last but not least, die Stadt selbst. Es ist ein durchaus fairer Tausch, denn der Tourist bekommt für sein Geld etwas geboten. Besonders die Prachtschlösser in und um München, die der berühmt-berüchtigte Ludwig II. in seiner Regentschaft von 1864-1886 erbauen ließ, sind durchaus eine Reise wert. Das Disney-Schloss Neuschwanstein ist sicher das bekannteste, aber auch die Schlösser Herrenchiemsee und Linderhof haben weit über Bayerns Grenzen hinaus einen wohlklingenden Namen. Was an den Bauten und den dazugehörigen Parks so fasziniert, sind nicht nur die üppig verwendeten Luxusmaterialien und die eklektischen Anleihen bei den verschiedensten Baustilen, sondern vor allem der sich in den Gemäuern niederschlagende Eskapismus des bayrischen Königs. Dessen Regentschaft fiel schließlich in eine Zeit, in der die fortschreitende Industrialisierung das damals noch weitgehend agrarisch geprägte Bayern zunehmend den Anschluss an die europäische Entwicklung verlieren ließ, wovon die Niederlage gegen Preußen im Jahre 1866 nur der krasseste Ausdruck war. Der verheerende Sieg Preußens und der damit einhergehende politische Bedeutungsverlust des bayrischen Königs veranlasste Ludwig, sich immer mehr aus den Regierungsgeschäften in seine eigene kleine Scheinwelt zurückzuziehen. Geprägt durch Wagners spätromantische Fantasien ließ er sich durch namhafte Architekten ein Reich erschaffen, in das er eintauchen konnte, um der realen Welt zu entfliehen. Das Pseudomittelalter – nicht zu Unrecht als Märchenwelt belächelt –, das er liebte, war Ausdruck einer psychopathologischen Regression, die Ludwig durchaus mit vielen seiner Landsleute teilte. Zugleich aber erstaunt der goût, mit dem Ludwig seine Welt ausstaffierte: Dem entstehenden deutschen Nationalismus durchaus distanziert gegenüberstehend (schließlich war dieser auch mit der Infragestellung seiner Macht verbunden), gefiel sich Ludwig darin, die Schönheiten anderer Länder und Regionen zu sich nach Bayern zu holen. So ließ er den Park am Chiemsee dem in Versailles nachbilden und in Linderhof einen prächtigen marokkanischen Kiosk einrichten. Anstatt einen deutsch-völkischen Mythos aufzubauen, war Ludwig einzig und allein an der Perfektion seiner privaten Scheinwelt interessiert. Die Weltabgewandtheit, die ihm bis heute vorgeworfen wird, war zugleich verbunden mit einem Desinteresse an Gemeinschaft und Volkstum. So sehr man Ludwig eine ausgeprägte Psychose wird bescheinigen müssen, so sehr hat ihn doch dieser Wahn davor gefeit, am unheilsamen Aufstieg des deutschen Volksstaates mitzutun.

Die Verdeutschung Bayerns

Etwas hat sich gehalten vom bayrischen Separatismus, der bis heute die Sonderstellung des Freistaates in der Bundesrepublik prägt. Allerdings zeigt nicht erst die Entwicklung der CSU zur „esoterischen Ökopartei“ (Wertmüller), dass das Bayerntum, auf das man sich gerade nach 1945, als man die Sache mit der „Hauptstadt der Bewegung“ vergessen machen wollte, so versteifte, längst einer Art nachholender Verdeutschung unterliegt. Und dazu gehört heute vor allem, sich von allem Traditionellen, Althergebrachten zu lösen und sich zu öffnen für eine ominöse „europäische Postmoderne“, in der das Bodenständige unter neuem Namen als das Allermodernste daherkommt. Die völkische Liebe zu Blut und Boden erscheint nun in Form von Ökostrom, Biofraß und Nichtraucherschutz, der Nationalchauvinismus als „verantwortungsbewusste Politik“ einer „Friedensmacht“ (G. Schröder) und der Antisemitismus als „berechtigte Israelkritik“. Was allerdings die in Bayern anzutreffende Melange aus idealisierter Provinzialität und aufgeklärt-deutschem Nationalismus besonders widerwärtig macht, sind die ausgeprägten Tendenzen zur direkten Demokratie, wie nicht erst der letzte Volksentscheid für den staatlichen Schutz des Volkskörpers gezeigt hat, den die ökofaschistische ÖDP initiiert hat. Das virtuelle Haberfeldtreiben des so genannten Volkes ist so deutsch, dass vom Glanz der Ludwigschen Schlösserwelt nicht viel übrig bleibt.

Es war und ist die Linke, die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass all das, was an Deutschland ekelhaft ist, nach 1945 erneut Gestalt annehmen und auch in breiten Bevölkerungsschichten Fuß fassen konnte. Mit jedem Erfolg, den die 68er und ihre Nachfolger verzeichnen konnten, war ein weiteres Puzzleteilchen für das ursprünglich ostdeutsche Modell „anderes Deutschland“ am Platze. Paradoxerweise führte jeder vermeintliche Fortschritt immer näher an das Original heran: an einen Nationalismus, der sich gegen den Westen (und ergo gegen die Juden und ihre scheinbaren „Vasallen“) in Stellung bringt. In der antiimperialistischen Feinderklärung gegen die USA und Israel schließlich findet Deutschland zu sich selbst. Die Süddeutsche Zeitung ist, so besehen, der Ausdruck des kollektiven deutschen Wahns.

Die linke Gegenwelt

Auch die „radikale“ Linke ist ein Teil dieses Volkes. Ja, man müsste präzisieren: Die Linksextremisten sind nicht nur eine inferiore Teilmenge, sondern bilden – darauf verweist der Terminus „extrem“ recht treffend – so etwas wie die Avantgarde des neuen deutschen Volkstums. All das, worauf Deutschland heute stolz ist, hat sich die Linke ausgedacht und vorgelebt: Den rasenden Antiimperialismus, den moralinsauren und volksgemeinschaftlich organisierten Antifaschismus, den differenzvernarrten Antirassismus, die Ökologiebegeisterung, den Friedenswahn und sogar den tierliebend-veganen Genussverzicht. Umso mehr verwundert es, dass sich die Linke immer noch als nonkonformistische Gegenkraft begreift, als Stachel im Fleische des Staates. Schließlich bedarf es großer Anstrengungen, sich auch dann noch als Rebell zu gerieren, wenn man ständig von allen nur Schulterklopfen und Verständnis erntet. Es ist daher ein großes Glück für die hiesige Linke, dass der bayrische Verfassungsschutz so paranoid ist, dass er tatsächlich in diesen Tofu-Würstchen noch eine Gefahr für die Eigentumsordnung sieht. Man weiß zwar nicht recht warum, aber der Antikommunismus beseelt in Bayern noch immer die Hüter des Staates. Davon lebt die Münchner Linke und das ist der Grund dafür, warum sie noch immer als irgendwie radikal erscheinen kann, wo sie doch tatsächlich nichts anderes tut, als denselben Quark zusammenzurühren wie die Süddeutsche Zeitung auch – mit dem einzigen Unterschied, dass die Redakteure der SZ in gepflegteren Lokalen ihre Freizeit verbringen.  Nur ein einziges Mal muss man das verranzte „Kafe Marat“ betreten, auf das sich die linke Szene so viel einbildet, und schon weiß man, mit wem man es zu tun hat. Der Name ist übrigens nicht zufällig gewählt: Ein richtiges Gespür für die eigene Verderbtheit legten die Namensgeber an den Tag, als sie ihren Schuppen ausgerechnet nach dem Jakobiner Jean Paul Marat (1743-1793) benannten, von dem die bekannte Wendung „Despotismus der Freiheit“ stammt und der als logische Konsequenz eifrig das Guillotinieren so genannter Volksfeinde vorantrieb. Auch die heutigen Linken würden dergleichen gerne tun und man kann mit Recht davon ausgehen, dass Bahamas-Redakteure in unmittelbarer Nähe zu US-Präsidenten, israelischen Soldaten und Klimasündern oben auf der Todesliste stünden. Dies sind die Ausflüsse einer antinationalen Gesinnung, die – natürlich ganz unvoreingenommen – alle Nationen gleichermaßen ablehnt und darauf zuläuft, ganz unverhohlen neben den Antifa-Klassiker „Nie wieder Deutschland“ ein saloppes „Nie wieder Israel“ anzufügen. Dies passiert nicht nur ohne Einspruch, sondern lässt sich in München tatsächlich auch noch als originelle Staats- und Gesellschaftskritik verkaufen.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Ludwigs Schein- und der linken Gegenwelt: Während ersterer ein Eskapist war, aber dabei immerhin noch der Humanität Tribut zollte, indem er seinen Reichtum, den er den Untertanen abgepresst hatte, wenigstens verprasste, sind die Linken nichts als Neidbeißer, die niemandem die Butter auf dem Brot gönnen und ein Leben in Elend, Schmutz und Dummheit propagieren. Anders als die Linke hat Ludwig II. wenigstens Wissenschaft und Kunst gefördert, während man im „Kafe Marat“ nur peinliche Erklärungen gegen den Staat verfasst, weil der mal wieder eine Hausdurchsuchung wegen kindischer Bastelheftchen („radikal“) angeordnet hat. Während gegen Bayerns Monarchen eine Revolution, die sich den Reichtum aneignet, ausgereicht hätte, muss man gegen die Linke schon schwerere Geschütze auffahren: Es geht um nichts weniger als um schonungslose Ideologiekritik, die den vom Warencharakter wie von dessen linker Verdopplung vernebelten Subjekten eine solche Kränkung verpasst, dass sie endlich anfangen zu denken. Über die Revolution kann man danach immer noch reden.

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