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Bahamas-Konferenz in Berlin

Posted in Termine by monacoverein on Mai 11, 2012

Kurz bevor hier zwei eigene Veranstaltungen im Mai und Juni beworben werden, sei noch rechtzeitig auf die Konferenz „Die Revolte der Enthemmten“ der Zeitschrift Bahamas hingewiesen:

DIE REVOLTE DER ENTHEMMTEN

Bahamas-Konferenz am 25. und 26. Mai 2012 in Berlin

 

Freitag, den 25. Mai

Beginn 19 Uhr

Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Kinosaal (Raum-1115)

 

Die Israelsolidarität am Ende –

für etwas Besseres als Kampagnenpolitik und Bekenntnisübungen

 

a:ka Göttingen

Keine Bühne gegen Israel!

Das Atzmon-Konzert ist gelaufen; unsere Forderung nach einer Absage blieb (wie erwartet) ungehört. Auch unsere Kundgebung ist gelaufen – von Massenprotesten konnte keine Rede sein, aber um die 50 Leute kamen immerhin zusammen, um die Gäste des Jazzfestivals mit unserer Kritik zu konfrontieren. So resümierte der a:ka Göttingen seine Kampagne gegen den Auftritt des israelischen Israelhassers und Antisemiten Gilad Atzmon im Herbst letzten Jahres auf dem Göttinger Jazzfestival. Ausgehend von dieser Intervention soll über Sinn und Unsinn sogenannter praktischer Israelsolidarität reflektiert werden. Besonderes Augenmerk wird auf das Ineinanderwirken von pflichtschuldigem Bekenntnis zur „besonderen Rolle Deutschlands nach Auschwitz“ auf der einen und anti-israelischem, -zionistischem,-semitischem Ressentiment auf der anderen Seite gelegt.

 

Philipp Lenhard

Das Elend der positivistischen Vernunft

Was haben der antideutsche Antisemitenjäger Dr. Clemens Heni, der israelsolidarische Taz-Redakteur Deniz-Yücel und der stets sehr westlich gestimmte Journalist und Autor Alan Posener gemeinsam? Sie betrieben „Schweinejournalismus“ (Jürgen Trittin) als sie im März 2012 Joachim Gauck Auschwitz-Verharmlosung und gar Antisemitismus unterstellten.

Der hatte in einem Interview jene Rationalitätsform, die Dan Diner in seinem bekannten Zivilisationsbruch-Aufsatz zum Gegenprinzip der Shoah stilisiert hatte, kritisiert, um sich vom geschichtswissenschaftlichen Funktionalismus abzugrenzen. Dass Posener sich genau wie Yücel auf Dan Diners These stützte, um den Begriff der Rationalität zu retten, ist bemerkenswert. Um jeden Preis soll offenkundig der Zusammenhang von blinder Herrschaft und Antisemitismus, wie ihn Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung dargestellt haben, zum Verschwinden gebracht werden. Dafür bedient man sich schamlos Diners Apologie der Rationalität, der sich doch immerhin gewahr war, dass die Shoah unwiderruflich auch die positivistische Vernunft dementiert hat, weil diese angesichts von Auschwitz versagt hat.

 

Justus Wertmüller

Gegen die Mitte der Gesellschaft

Dass nicht Günter Grass das Problem ist, sondern die Süddeutsche Zeitung, die ihn unkommentiert auf Seite eins mit seinem jüngsten „Gedicht“ präsentiert hat, ist all den empörten Kommentatoren nicht aufgefallen. Die SZ repräsentiert über 400.000 gut ausgebildete, beruflich erfolgreiche, fortschrittliche, ja kritische Leute, mit denen es sich niemand verderben will. Man kennt sie, man lebt mit ihnen zusammen, man teilt viele ihrer Meinungen. In der Israel-Frage müsse man sie nur noch überzeugen, wähnt der eine Teil der Israelsolidarität, der nicht erkennen will, dass das Übel des Antisemitismus seinen Kern dort hat, wo eine Broschüre wie Wir sind viele – eine Anklage gegen den Finanzkapitalismus gefeiert wird, die eben nicht von Holger Apfel sondern von Heribert Prantl stammt.

Der andere Teil des imaginierten Bündnisses interveniert schon deshalb nicht gegen die Pest, die nicht nur aus München kommt, weil er in seinem Bekenntniszwang viel zu sehr mit den eigenen Leiden, gewähnten Verstrickungen und Kleinschriftstellereien beschäftigt ist, um sich so rohen und scheinbar sinnlosen Beschäftigungen zu widmen, wie der öffentlichen Denunzierung dieser „Mitte der Gesellschaft“.

 

Eintritt für den Freitagabend 5 € (ermäßigt 4 €)

 

 

Samstag, den 26. Mai

Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Kinosaal (Raum-1115)

 

Die Revolte der Enthemmten

 

10:30 Uhr

Podium 1: Das Leben als Projekt

 

 

Jan-Georg Gerber

Büro ist Krieg

Anders als gern behauptet, gibt es hierzulande kaum jemanden, der Freude an seiner Arbeit empfindet; kaum jemand hat es darüber hinaus gelernt, sich mit seiner beruflichen Tätigkeit zu arrangieren. Arbeit wird nicht als notwendiges Übel begriffen, das mit etwas Glück ein bisschen Luxus und Unabhängigkeit verschaffen kann, sondern ausschließlich als die Quälerei, die sie zweifellos auch ist. Die Überhöhung der Arbeit zum Dienst an einer höheren Sache, die insbesondere in Deutschland beliebt ist, kann als Reflex auf die Unfähigkeit verstanden werden, zwischen Realitäts- und Lustprinzip zu vermitteln. Der Spaß an der Arbeit wird dadurch trotzdem nicht größer. Aus diesem Grund – und forciert durch die grassierende Angst vor der eigenen Überflüssigkeit – gibt es kaum einen Ort, an dem sich die Menschen wechselseitig so viel antun wie im Betrieb. Daran ändern auch das permanente Supervising, die „flachen Hierarchien“, das beliebte Chefduzen und die gern beschworene Transparenz nichts. Im Gegenteil: Sie verstärken die Tendenz, Arbeit als Qual zu praktizieren, die umso unerbittlicher ist, je stärker die Individuen sich gegenseitig zwingen, sie sich als Lust zuzueignen.

 

Leo Elser

Aus Freude angepasst

In Zeiten der Krise besteht der gesellschaftliche Druck der Konkurrenz vor allem in der omnipräsenten Drohung, nicht mehr gebraucht zu werden. Diese Überflüssigkeit ist heute jedoch nicht mehr die einer „industriellen Reservearmee“. Weil die Chancen auf Wiedereingliederung nahezu Null sind, heißt Überflüssigkeit heute: Müll zu sein, von dem es zu viel gibt, als dass der Müll ernsthaft auf sein Recycling hoffen dürfte. Das erzeugt den Glauben, hielte man sich nur körperlich und seelisch fit, dann würde man vielleicht doch noch von irgendjemandem oder für irgendetwas gebraucht werden. Die Anhänger der „Gesundheitsreligion“ wollen beweisen, was sie bereit sind, sich anzutun. Im Englischen ist es bereits treffend formuliert. Fit for fun heißt: aus Freude angepasst.

 

Uli Krug

Bereitschaft zu allem

Von der Panik, als überflüssig erkannt zu werden, sind auch die erfüllt, die sich für berufen halten, Auswege aus dem gesellschaftlichen Verhängnis aufzuzeigen. Die historische Figur des engagierten Intellektuellen kann als Rollenmodell für die Fertigkeiten betrachtet werden, die heute gefordert sind: totale Hingabe an die Sache, die aktuell natürlich Arbeit heißt. In einem kurzen Abriss der Geschichte des Zusammenhangs von Willen und Ohnmacht soll die Bedeutung der Intellektuellen als Avantgarde der Überflüssigen skizziert werden.

 

 

 

14:30 Uhr

Podium 2: Antiautoritärer Konformismus

 

 

Philippe Witzmann

„Dass nur das Wirken für die eigene Gemeinschaft einen Sinn hat“.

Sich radikal gebende Politkunst wirbt ihre Entstehungskosten mittlerweile ausgerechnet bei Banken, Handels- und Industrieunternehmen ein und schickt sich so an, dem Kapitalismus mit Hilfe des Kapitals den Garaus zu machen. Diese letzte Subversion eines mafiös organisierten Kartells von Institutionen des zeitgenössischen Kunstbetriebs – verkörpert unter anderem in den Kunst-Werken Berlin (KW Institute for Contemporary Art), die für die Berliner Kunstbiennale verantwortlich zeichnen – bedarf des ideologisch versierten Vermittlers weit mehr als des Künstlers und seiner mageren Produkte.

Die vom diesjährigen Kurator der Berlin Biennale, Artur Žmijewski, der nackte Menschen beim Tanz in einer Gaskammer des Dritten Reiches hat ablichten lassen, produzierte und präsentierte Kunst ist mehr als bloßer Agitprop. Engagierte Kunst heute zielt im Ungeist der Occupy-Ideologie auf die Vernichtung der Kunst, des Individuums, Israels und damit der Zivilisation.

 

Sören Pünjer

Die antiautoritäre Gesellschaft

Steckten in den späten 60er Jahren unter den Talaren der Professoren unbestreitbar auch ihre in den kurzen tausend Jahren bis 1945 aufgebauten Karrieren, so war der Kampf gegen den Muff auch damals schon weit eher als politisch legitimer Protest ein Ressentiment gegen jede Autorität, das bezeichnenderweise mit Vorliebe an Theodor W. Adorno und nicht etwa an Heideggers Adepten ausagiert wurde. Als autoritär und damit abzulehnen gilt seither die Zumutung, dass einer kraft überlegenen Wissens sich anmaßt, andere zu belehren. Gefragt ist nicht jene Autorität, der man nacheifert, um sich ihr irgendwann einmal gleich oder gar überlegen zu erweisen, sondern eine angeblich jedem offen stehende Kompetenz zur Kommunikation. Solche mit Soft Skills und Intrigen, Networking und Denunziation betriebene Austreibung von Wissen und der Befähigung zum Denken ist das innere Bewegungsgesetz einer antiautoritären Gesellschaft, in der der Zwang zur Konformität total wird.

 

Jörg Huber

Nächste Auffahrt: Idealismus

Als Idealismus bezeichnete man lange Ideen, deren Realisierung unmöglich oder verbaut erschien, seien es Schwärmereien oder gescheiterte Menschheitsversprechen. Groß war solcher Idealismus dann, wenn er sich als die Stimme der ums Leben Betrogenen ins Denken oder die Kunst einschlich, ohne auftrumpfend ein Programm zu verkünden. Aus ihrem jeweiligen geistigen Zusammenhang gerissen, in dem sie als die Ahnung einer besseren Wirklichkeit erscheinen, treten „idealistische“ Ideen inzwischen entleert und pseudokonkret selbst als eine Erscheinungsform des Konformismus auf. Die in die Rolle von Empirikern oder Phänomenologen geschlüpften Idealisten verweisen auf Ideen, die nichts mehr versprechen, aber deren Existenz sich logisch nicht widerlegen lässt.

So kompensiert der ontologisierende Idealismus die reale Ohnmacht der Subjekte und erlaubt ihnen wieder und wieder, sich über die tatsächliche Dürftigkeit des Bestehenden scheinbar zu erheben und verächtlich auf die herab zu blicken, denen die Fähigkeit zu solcher Selbstüberschätzung abgeht.

 

18:00 Uhr

Podium 3: Determinismus und Freiheit

 

Thomas Maul

Dialektik und Determinismus. Zum Verhältnis von Adorno, Sartre und Améry

Alle paar Jahre wieder wird das alte Ressentiments gegen den in der Kritischen Theorie angeblich angelegten Determinismus laut. Immer dann wird die falsche Erkenntnis als Befreiungsschlag gegen ein vermeintlich autoritäres, dem Grunde nach der Menschheitsbefreiung entgegenstehendes Denken präsentiert. Entdeckt wird dann der Einzelne, das Ich, das Individuum, auf dessen höchstpersönlichen Willensakt, seine Befähigung zur wesensmäßigen Entscheidung es ankomme, wolle man einem mehr scheinbaren als wirklichen Verhängnis entrinnen. Wenn es ganz schlimm kommt, tritt die Emanzipation von den Zumutungen der Kritischen Theorie selbst kritisch auf – und zwar im ehrbaren Gewand jener antisemitismuskritischen Innovation, nach der jeder, der die Freiheit von Antisemiten bzw. nationalsozialistischen Tätern relativiert, ihre moralisch unzulässige Exkulpation betreibe. Dagegen soll gezeigt werden, dass die Prämissen und Konsequenzen dieses Anliegens nicht weniger verkehrt sind, als die ihm zugrunde liegende Instrumentalisierung von Jean Améry und Jean-Paul Sartre.

 

Magnus Klaue

Fremdbestimmungen. Über das passivische Moment aller Kritik

Der zeitgenössische Konformismus ist anders denn als „kritisch“ nicht mehr zu haben. Insbesondere die Intrigantengemeinschaft des World Wide Web ist bevölkert von „Netzwerkern“ und „Aktivisten“, die den Unterschied zwischen Polemik und Verleumdung längst ebenso praktisch aufgehoben haben wie den zwischen Leben und Beruf. Selbstbewusste Penetranz, refraktäres Aufmucken gegen obsolete Autoritäten und plumpe Kreativschleimerei sind die Schlüsselkompetenzen einer Medienbagage, die ihren Autismus als Kommunikativität und ihre Schamlosigkeit als kritische Intervention praktiziert.

Demgegenüber ist der notwendige Zusammenhang von Kritik und Scham in Erinnerung zu rufen. Kritik, als reflektierter idiosynkratischer Impuls, ist wesentlich Ansprechbarkeit: Sie antwortet auf objektive Zumutungen, die sich ihr aufdrängen und sie bestimmen, statt die Wirklichkeit nach dem Bild des eigenen Ressentiments zuzurichten. Sie ist Antwort auf ein Objektives, auf die Kränkung, die das Leben und die Menschen selbst darstellen, nicht subjektive Meinung. Deshalb vermag sie nur in der Erschütterung des Subjekts zu sich zu kommen, das sie übt: Wer nicht vor sich selbst ebenso erschrecken kann wie vor der Welt, ist zu ihr nicht fähig. In der Verkümmerung der Kritik, die von der Verarmung sprachlichen Ausdrucks untrennbar ist, reflektiert sich die Unfähigkeit zur Erfahrung des falschen Lebens. Dieser Erfahrungsschwund ist die Kehrseite der Unfähigkeit zur Liebe, der freiwilligen Hingabe an ein Objektives, ohne die keine Kritik denkbar ist

 

Justus Wertmüller

Solidarität in der Trostlosigkeit

Mit der Behauptung, die Kritische Theorie betreibe einen Kultus der Negativität, der dazu geeignet sei, den Einzelnen entweder in den Selbstmord oder in ein zynisches Verhältnis zum alltäglichen Vollzug zu treiben, wird gerne unterstellt, Adorno und Heidegger seien in einem Scheinantagonismus zueinander gestanden. Solche existentialistische Aufladung ausgerechnet der Kritischen Theorie blamiert sich nicht nur an der historischen Realität der 50er und 60er Jahre, als man sich, mal von Heidegger, mal von Sartre beglückt, kollektiv „draußen vor der Tür“ wähnte und sein „Wohin denn ich?“ mit der Platitüde „Kein Ort. Nirgends“ beantwortete. Die Neuentdeckung des Existentialismus beginnt mit der triumphal vorgetragenen, aber unbewiesenen Erkenntnis, auch Adorno hätte Fehler gemacht. Sie setzt sich fort mit der verwaschenen Aufforderung, neue Wege kritischen Denkens zu beschreiten und am Ende gar „zusammenzudenken“, was sich ausschließt: der Holocaust und, als Trostspender, Heldenerzählungen aus dem antifaschistischen Widerstand.

In der total verwalteten Welt gegen sie zu bestehen, wird dagegen nur möglich sein, wenn man allem misstraut, was sich als Widerstand anbietet, und aus dem Stande der Trostlosigkeit heraus das Unmögliche tut. Damit der Einspruch sich nicht ins Bekenntnis verkehrt, muss sich kritisches Denken immer des im einzelnen Kritiker notwendig angelegten Hangs zur maßlosen Selbstüberschätzung bewusst sein, die in existentialistischer Attitüde auftritt und doch nur eine Kapitulationserklärung ist.

 

Eintritt für den Samstag 10 € (ermäßigt 8 €)

 

Getränke und Lebensmittel werden am Veranstaltungsort angeboten.

 

Geeignete Räumlichkeiten für ausgiebiges Feiern am Samstag ab 22:00 stehen zur Verfügung. Der Ort wird auf der Konferenz bekannt gegeben.

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