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Veranstaltung mit Gerhard Scheit

Posted in Termine by monacoverein on Mai 19, 2012

Souveränität und Krise, Gewalt und Wahn:

Die Eurokrise und die Widerkehr des Verdrängten

Vortrag und Diskussion mit Gerhard Scheit (Publizist, Wien)

Die Verschärfung der Krise bringt den europäischen Bürgern offenbar nicht die Notwendigkeit eines europäischen Souveräns nahe, sondern setzt hier im Gegenteil die zentrifugalen Kräfte erst vollständig frei. Es gibt eben keinen Automatismus, wonach eine gemeinsame Währung, unter Kompressionsdruck der Finanzmärkte geraten, einen gemeinsamen Staat aus sich selbst heraus produzierte, so wie auch der Begriff der Krise keineswegs auf den der Ökonomie als einer isolierbaren Sphäre der Gesellschaft reduzierbar ist: Er lässt sich nicht losgelöst vom Bewusstsein bestimmen, das die Menschen jeweils von ihr haben, und in diesem Bewusstsein ist im Stande der Unfreiheit noch immer die Vergangenheit das Einheitsstiftende, d.h. konkret: die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Angesichts dieser Konstellation für einen starken europäischen Staat zu plädieren, als bessere Chance, die ökonomische Krise zu bewältigen, erweist sich darum als neokonservatives Wunschdenken. Es ist, wie unschwer zu erkennen ist, von den USA inspiriert – jenem Staat, der Europa vom Westen her befreit hat. Darin kommt indirekt eben nichts anderes zum Ausdruck, als dass ein eigener europäischer Souverän letztlich nur möglich wäre, wenn Europa sich selbst von Hitlerdeutschland befreit hätte. Das ganze Dilemma, das sich an der europäischen Einigung von heute abzeichnet und die weltweilte Krise eigenartig zuspitzt, müsste als das Nachleben des Nationalsozialismus inmitten der Demokratie begriffen werden – ein Nachleben, das eben nicht nur kein Ende nimmt, sondern nun erst seine Wirkung ganz entfaltet.

Die Eurozone der Europäischen Union ist nicht die einzige Währungsunion. Etwa zur selben Zeit wie in Europa sind zwei solche Zonen in Afrika entstanden: Seit 1994 existiert die Westafrikanische Währungsunion (auf der Grundlage der Wirtschaftsunion Ecowas mit u. a. Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo); seit 1999 die benachbarte Zentralafrikanische (u.a. Kongo, Tschad, Zentralafrikanische Republik); und für die nächsten Jahre ist auch eine ostafrikanische geplant (u.a. Kenia, Tansania, Ruanda). In diesen afrikanischen Staaten treten seit längerem schon Bandenherrschaft und Bandenkriege mit besonderer Intensität hervor, wobei eben auch, wie sich 2012 vor allem in Mali zeigt, die jihadistischen Rackets am leichtesten Terrain gewinnen. Daran lässt sich erkennen, welche Zukunft auch Europa bevorstehen könnte – zumindest wenn es nach denen geht, die schon jetzt einen Volkskrieg gegen jenes eine Prozent entfesseln wollen, welches in ihrem wahnhaften Weltbild die Krise zu verantworten haben soll.

Donnerstag, der 31. Mai 2012, 19 Uhr (pünktlich)

Im Salon Irkutsk, Isabellastraße 4, München-Schwabing (Nähe Josephsplatz)

Zusatz. In der Diskussion wird es auch die Gelegenheit geben, auf den Hype um Richard Wagner und dessen strukturell antisemitischer Kapitalismus- und Staatskritik, an der sich die spätbürgerlichen Opernliebhaber und Kulturökonomen immer noch und immer wieder berauschen (siehe etwa den Artikel Staatendämmerung: Richard Wagner kritisiert im „Ring“ nicht nur den Kapitalismus, sondern auch die Politik. Sein Drama wird zur Allegorie der Staatsschuldenkrise, FAS 08.01.2012), einzugehen.

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