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Das war’s

Posted in Texte by monacoverein on Dezember 7, 2012

Die Gruppe Monaco existiert nicht mehr.

Hier gibt es etwas Neues.

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Flugblatt zur Walser-Lesung

Posted in Texte by monacoverein on März 8, 2012

Gestern, am 7. März 2012, hat das Münchner Literaturhaus eine Lesung mit Martin Walser veranstaltet. Wir haben folgendes Flugblatt verteilt:

Für alle Walser-Fans!

Wem das Geschwafel und Geschreibsel des Familienunternehmens „Martin Walser und Co“ vom Bodensee gefällt, dem wird das kürzlich in der Edition Tiamat erschienene Drama von Carl Wiemer, Der Literaturverweser. Ein Stück über Vernichtungsgewinnler, auf keinen Fall zusagen. Möglicherweise gehen dem Walser-Fan aber beim Lesen die Augen über und er erkennt seine eigene Verkommenheit. Deshalb sei das Buch kurz vorgestellt. Es ist in jeder Buchhandlung bestellbar.

Das Phänomen Walser stellt sich von außen wie folgt dar: An einem lauschigen See ein stattliches Haus. Darin der Großschriftsteller mit Mama und seinen vielen Töchtern. Doch ist das Haus nicht nur trautes Heim, sondern beherbergt oben-drein ein Wirtschaftswunder, einen hochproduktiven kleinen Familienbetrieb. Mit unermüdlichem Fleiß und gesundem Erwerbssinn füllt er die Zeitungsseiten oder ganze Bücher ab und sammelt Literaturpreise wie andere Leute Bierdeckel oder Briefmarken.
Die Frage ist nur: Wer hatte ausfallen müssen, damit die Schriftstellerrolle mit einer Figur wie Walser besetzt werden konnte? Wiemer gelangt zu folgendem Schluss: [….. …….. …. ……. ………….. ….. … …… ….], deren Werke an eine Epoche erinnern, in der auch hierzulande der Betrieb noch nicht über Originalität triumphiert hatte. Seit 1933 wurden nicht nur jüdische Kaufhäuser, Firmen und Banken arisiert, sondern auch Verlage und Bühnen. Daher finden sich die Vernichtungsgewinnler heute unter den Kadern der Kulturträger. [……. ……… …. ……… ….. ….. … ….. … …… ….. … …] verbreiten wider Willen eine Ahnung von diesem Zusammenhang.

Warum die vielen Auslassungen? Nun, die Antwort ist ganz einfach. Walser mag nicht, wenn man ihn kritisiert. Der Verlag informiert:

Martin Walser hat im Auftrag des Rowohlt-Verlags über eine Abmahnung in Höhe von 20000.- Euro die Herausnahme zweier Textstellen bewirkt. Selbstverständlich ist der Verleger für diese Summe bereit, das genaue Gegenteil zu behaupten. Und er beweist dies mit einem Artikel, den er bereits 2005 veröffentlicht hat, in dem er Martin Walser für etwas in Schutz nimmt, das u.a. Frank Schirrmacher, Ruth Klüger, MRR, Ignatz Bubis und der Spiegel behauptet haben.

Der Artikel sei auf den folgenden Seiten dokumentiert.

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Veranstaltung mit Thomas Maul

Posted in Termine, Texte by monacoverein on September 8, 2011

Sieg des Feminismus?

Gender Mainstreaming, islamisches Patriarchat und die antisexistische Linke

 

Vortrag & Diskussion mit Thomas Maul (Berlin)

Der Feminismus hat gesiegt. Die CSU ruft ein »Jahr der Frau 2011« aus und kritisiert: »Macht und Geld sind fast nirgends so männlich wie in Deutschland und nirgends werden weibliche Lebensentwürfe so entwertet wie hierzulande! […] Nur die Frauenquote sorgt dafür, dass die in den Machtetagen herrschende ungeschriebene Männerquote endlich aufgelöst wird.«[1] Die Bundesregierung verkündete jüngst, sie verfolge die Strategie des »Gender Mainstreaming […], bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen«[2]. Und um die Wertschöpfung von Arbeit in Deutschland zu erhöhen, fordert die Bundesagentur für Arbeit, »Erwerbspartizipation und Arbeitsvolumen von Frauen zu erhöhen«[3]. Handelt es sich dabei nur um durchsichtige Manöver oder konnten sich wesentliche Positionen der feministischen Bewegung tatsächlich bis in die Wählerschaft der CSU hinein durchsetzen?

Totale Vergleichung

Die Realität ist ambivalent. Die im Durchschnitt inzwischen sogar besser ausgebildeten Frauen beziehen geringere Gehälter, und wer eine gute Ausbildung hat, hat bekanntlich noch lange keinen Job, der einen aus der Umklammerung durch Familie und Ehemann befreien könnte. Dieses von Feministen beklagte Ungleichgewicht ist aber nicht mehr, wie noch im 19. Jahrhundert, einer unvollendeten Kapitalisierung geschuldet, sondern umgekehrt der vollständig durchgesetzten bürgerlichen Gleichheit selbst. Die totale Vergleichung durch das Kapital, der Männer wie Frauen ausgesetzt sind, zwingt sie in ein brutales Konkurrenzverhältnis, in dem jeder Einzelne nach Garantien sucht, um seinem Nachbarn vorgezogen zu werden. Das Geschlecht ist darüber zum Ticket geworden, es konstituiert eine Opfergemeinschaft unter anderen. Die Klage, es müssten jetzt doch endlich einmal Frauenquoten auch in den Chefetagen eingeführt werden, beruht auf einem staatsfetischistischen Verständnis von Kapitalismus: der Staat soll die Arbeit organisieren und die Kapitalisten an die Kandare nehmen. Die einen sagen: Deutschland den Deutschen, die anderen: Deutschland den Frauen, und die dritten: Deutschland den Ausländern. Der Typus des sich ständig betrogen wähnenden Ossis ist längst wieder ein gesamtdeutsches, herkunfts- wie geschlechterübergreifendes Phänomen geworden.

Das Kapital indes interessiert sich für die Befindlichkeiten der Menschen wenig. Es ist pragmatisch und nimmt, was es kriegen kann. Wenn Frauen aus historischen und geschlechtsspezifischen Gründen billiger zu haben sind, schlägt der durchschnittliche Kapitalist dieses Angebot nicht aus. Auch wenn es darum geht, den innerbetrieblichen Konkurrenzkampf zu steigern, der, wenn er nicht zu mörderisch wird, durchaus zu Höchstleitungen anspornt, sind karrierebewusste Frauen immer willkommen. Es mag bei dem einen oder anderen Unternehmer noch emotionale Vorbehalte gegen arbeitende Frauen geben, eine Zukunft hat diese irrationale, ergo: unproduktive Einstellung allerdings nicht.

Die Kopftuchfrau

Nun hat aber eine neue Akteurin die Bühne betreten: die verschleierte Frau. Das archaisch anmutende Gefängnis, das sie um den Kopf trägt, verwandelt das schönste Gesicht in eine Visage. Wo nichtmuslimische Frauen ihre Stärken und Fähigkeiten stets ins Licht zu rücken bestrebt sind, da versucht die Muslima, mit der Betonung von Demut und Unterwerfung aufzutrumpfen – also damit, kein gleichberechtigtes Warensubjekt zu sein. Eine solche Akteurin verunsichert die Gesellschaft, stellt sie doch die Grundlage des bürgerlichen Glücksversprechens in Frage: Nicht das autonome Individuum, das sich erfolgreich auf dem Markt bewährt, soll das Ideal sein, sondern der Einzelne, der vollends in seinem für ihn vorgesehenen Platz in Familie und Gemeinschaft aufgeht. Die Kopftuchträgerin ist das sichtbarste Symbol dieser Selbstpreisgabe des bürgerlichen Subjekts.

Für das Bürgertum, das in all seiner Zukunftsangst durchaus vom islamischen Modell fasziniert ist, geht es darum, dieser Versuchung zu widerstehen. Deshalb macht es sich daran, auch die Kopftuchfrau nach den Kriterien der Verwertbarkeit zu beurteilen, in der Hoffnung, aus den islamischen Familienverhältnissen das Nützliche herauszuziehen. Ob das gelingt oder ob deren Potential, wie Sarrazin meint, überschätzt wird, ist eine von jenen langweiligen und unwichtigen Fragen, welche immer wieder darauf hinauslaufen, sich dem Kapitalstandpunkt anzubiedern. Entscheidender ist, dass im Zuge dieser Debatte permanent weggeredet wird, was doch jeder sehen kann: dass die Frau unter dem Kopftuch das traute Heim nur verlassen hat, um zu besorgen, was auf den Herd kommt. Es wird abends keine geilen Partys geben, am Wochenende keinen Besuch im Fußballstadion, die Spätvorstellung im Kino ist gestrichen, und die Affäre mit zwei Männern, zwischen denen sich zu entscheiden schwer fällt, findet nicht statt. Kurz: Wer noch nicht ganz zum Zombie verkommen ist, wird das Kopftuch als Bedrohung erkennen. Es ist das Symbol der geknechteten Frau. Der Sex mit ihr ist wahrscheinlich so spannend wie die Tagesschau. Und der mit ihm dementsprechend ekelhaft; unsinnliches, rohes Hinundhergeschiebe.

Die meisten Menschen wissen sehr wohl um die nicht zu trennende Symbiose von Islam und Frauenunterdrückung. Gerade Feministinnen wie Alice Schwarzer, die sich, trotz vieler Zugeständnisse, für nicht verhandelbare Inhalte eingesetzt haben, wissen, dass es mit dem Kopftuch keine Gleichberechtigung geben wird. Zu sehr verkörpern die geknechteten Frauen das Schreckbild, gegen das Schwarzer auch dann noch gekämpft hat, als es bezüglich nichtmuslimischer Frauen längst zur Chimäre geworden war.

 Die Krise der antisexistischen Linken

Die antisexistische Linke aber hat, anders als der Feminismus, ein nicht eben kleines Problem: Weil sie sich als radikal kapitalismuskritisch versteht, kann sie sich mit so reformistischen Fragen wie der nach Gleichberechtigung nicht aufhalten. Ihr geht es um mehr, und je ohnmächtiger sie angesichts der schrankenlosen Herrschaft des Kapitals wird, desto irrer wird die antisexistische Programmatik, mit der die Ohnmacht übertönt wird. Daher sprossen postmoderne Konzepte wie das des entsexualisierten Cyborgs ins Kraut. In dem Maße, wie sich die radikale Linke von profanen Forderungen der Gleichberechtigung und Unabhängigkeit entfernt, flieht sie in höhere Sphären und versucht, einen »Schutzraum« zu errichten, in dem alles gut wird. Die Marburger Gruppe »Lisa 2«, die im Juli eine Veranstaltung von Thomas Maul überfiel, lässt beispielsweise verlautbaren: »Wir haben Wut auf den Umstand, dass es Menschen gibt, die sich das Recht rausnehmen unsere Körper zu kommentieren – die unsere Grenzen anhand einer Idee von dem, was ›Normal‹ ist, verletzen. […] Wir wollen einen ›geschützten‹ Raum schaffen, indem wir üben können, wie sich bestimmte Situationen anfühlen – herauszufinden, wie Agierende empfinden könnten und wie dabei grenzüberschreitende Dynamiken mit selbstentwickelten Taktiken gebrochen werden können. Durch Rollenspiel und Reflexion kann hiermit ein Mehr an Handlungsmöglichkeiten entstehen.«[4]

Wer denkt, es ginge der Gruppe darum, dass es für kollektive Kritik eines Raumes bedarf, in welchem diese entwickelt werden kann, der irrt. Nicht um die »Öffentlichkeit«, welche sich in Vorträgen, Talkshows, Feuilletons oder Ringvorlesungen formiert und auf die Habermas und Luhmann so großen Wert gelegt haben, ist es ihr zu tun. Sie will »anfühlen« und »empfinden«, damit »Handlungsmöglichkeiten entstehen«. Damit aber wird Kritik unmöglich und driftet ins Esoterische ab. Durch Abspaltung von der Welt wird der Schutzraum zum Gefängnis und es kommt, ähnlich wie in der bürgerlichen Ehe, zu fürchterlichen Ritualen, deren Inhalt Demutsgesten und Psychoterror sind. Aus der Raumfahrt und aus Expeditionen in die Antarktis kennt man das third-quarter phenomenon, das die Probleme zusammenfasst, die entstehen, wenn Menschen auf zu engem Raum eingesperrt sind. Nach der Hälfte der Zeit, die sie zusammen verbringen müssen, also im dritten Viertel, setzt eine Verschlechterung der Stimmung ein. Es entstehen Frust und Verbitterung, die sich erst nach innen, dann gegen einen imaginierten äußeren Feind richten. Die Tatsache, dass sich solche Verhältnisse permanent in den verschiedenen linken Gruppen vorfinden lassen, lässt darauf schließen, wie stark die Innen-Außen-Unterscheidung getroffen wird. Die kapitalistischen Verhältnisse werden nicht mehr ertragen, sondern Grenzen gezogen und ein »Schutzraum« errichtet. Glücklicherweise haben solche Gruppen keine Rechtsform, so dass die Konsequenzen für den einzelnen verhältnismäßig milde sind, sofern der Ausstieg gelingt.

Mit dem Kampf für das autonome Individuum hat die Linke allerdings nur noch wenig zu tun, vielmehr gefällt sie sich darin, den zahlreichen selbst ernannten Opfergruppen, also fiktionalen Schicksalsgemeinschaften, zu ihrem Recht zu verhelfen. Nur so kann man es erklären, dass sie dem Kopftuch nichts entgegenzusetzen hat. Wo sie sonst wenig Verständnis für »die Herrschenden« und deren Kultur hat, zeigt sie sich empfänglich für die Eigentümlichkeiten des islamischen Racketwesens, welches sie ständig »kritisch« und vor dem jeweiligen Migrationshintergrund beleuchten möchte. Den »Schutzraum«, den die Antisexisten suchen, erkennen sie sogar in der islamischen Großfamilie, in der die Frauen vor den lüsternen Blicken der Männer »geschützt« werden, wieder. Ihr Idol Judith Butler meint, dass die Burka »symbolisiert, dass eine Frau bescheiden ist und dass sie ihrer Familie verbunden ist, aber auch, dass sie stolz auf ihre Familie und Gemeinschaft ist. Sie symbolisiert Modi der Zugehörigkeit innerhalb eines sozialen Netzwerks. Die Burka zu verlieren bedeutet mithin auch, einen gewissen Verlust dieser Verwandtschaftsbande zu erleiden, den man nicht unterschätzen sollte. Der Verlust der Burka kann eine Erfahrung von Entfremdung und Zwangsverwestlichung mit sich bringen, die Spuren hinterlassen wird. Wir sollten keineswegs davon ausgehen, dass Verwestlichung immer eine gute Sache ist. Sehr oft setzt sie wichtige kulturelle Praktiken außer Kraft, die kennen zu lernen es uns an Geduld fehlt.«[5]

Kritik des islamischen Patriarchats

Spätestens jetzt wäre eine Kritik am Begriff des Schutzraumes fällig. Denn in der islamischen Großfamilie wird die Tochter am Esstisch dem Vater nichts entgegenhalten können, weil sie nichts zu sagen hat. Und jeder Mensch, der sich auch nur ein Quäntchen Common Sense bewahrt hat, wird ahnen, dass auf jeden Ehrenmord tausend Fälle kommen, in denen es nicht nötig oder möglich war, bis zum äußersten zu gehen. Die Frauenhäuser sind vorwiegend von muslimischen Frauen bewohnt, es herrschen unhaltbare Zustände. Aber die Linke will und kann nicht zurück. Womöglich ist es die immer schon starke Prägung durch den Protestantismus, welche die deutsche Linke dazu führt, die permanente Gewalt in islamischen Familien klein zu reden, mit perversen Vergleichen (»Ehekrach«) zu relativieren und anstelle dessen auf Innerlichkeit zu schielen. So zaubert sie das vermeintlich stärkste Argument für das Kopftuch hervor: Frauen unter dem Kopftuch fühlen sich womöglich weniger unterdrückt als diejenigen, welche mit ihrem Körper immer in Konkurrenz zu anderen stehen. Trotz der offenkundigen Entmündigung und Unterdrückung protestieren antisexistische Linke nicht gegen das islamische Patriarchat, sie verdrängen dessen Existenz. Mit Neid und Hass reagieren sie daher auf diejenigen, die es wagen, das Offenkundige auszusprechen. Es steht diesen nicht zu, ein Urteil abzugeben, welches nicht im Konsens zustande kam. Mehr noch, es kann ein solches Urteil nicht geben. Es muss sich, von außen kommend, um eines jener Urteile handeln, das von den Agenten des Kapitalismus, Rassismus und Nationalismus kommt. Es darf daher nicht diskutiert oder widerlegt, sondern nur entfernt werden. Die Aggression, mit der sie zuschlagen, ist ein Indiz für die Wahrheit, die sie nicht ertragen. Aus genau diesem Grund haben antisexistische Schläger Veranstaltungen mit Thomas Maul in Berlin und Marburg angegriffen und ausgerechnet ihn, der sich seit Jahren publizistisch gegen die Persistenz des islamischen Patriarchats engagiert, des »Antifeminismus« geziehen.[6]

Um diesem Treiben etwas entgegen zu setzen, ist jeder, der diese Zeilen liest und die Wirklichkeit noch ertragen kann, von uns eingeladen und aufgerufen, zu einer Veranstaltung mit Thomas Maul zu kommen, auf der er versuchen wird, die oben aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Alle, die nur ihren Hass an uns abarbeiten wollen, fordern wir auf, sich stattdessen sinnvollen Aufgaben wie dem Abfassen einer Seminararbeit oder dem Tierschutz zu widmen.

Der Vortrag findet am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 19 Uhr in der SexBox, Theater Halle 7, auf dem Gelände der Kultfabrik statt. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr der Eingang der Kultfabrik, Gräfinger Straße 6, am Ostbahnhof, Ausgang Friedenstraße, um das Finden des Veranstaltungsortes zu erleichtern.

Der Eintritt beträgt € 3.-, Spenden sind willkommen.

[3]    Bundesagentur für Arbeit, Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland, o.O., 2011, S. 14.

[5]    Judith Butler, Krieg und Affekt, Zürich – Berlin 2009, S. 86

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Klarstellung

Posted in Texte by monacoverein on August 11, 2011

Der Münchener Blogger „Schlamassel“ lobt unseren Protest gegen die Erich-Fried-Lesung – offenbar vor allem deshalb, um der Zeitschrift Bahamas eins auszuwischen. Auf solch ein vergiftetes Lob können wir gerne verzichten.

Die Redaktion Bahamas hatte in ihrer aktuellen Ausgabe den Unterschied zwischen linken und antideutschen Interventionen erklärt und das Ganze anhand unserer Aktion illustriert: Im Gegensatz zu den linken Überfällen auf Bahamas-Veranstaltungen, die es in letzter Zeit in Bonn, Marburg oder Berlin gegeben hat, bedienen sich Antideutsche des geschriebenen und gesprochenen Wortes: Sie üben Kritik. Dem schließen wir uns an.

Unser Anliegen bei der Fried-Lesung war es durchaus, den anwesenden Antisemiten auch etwas den Abend zu vermiesen, weshalb wir tatsächlich die für den Abend geplante Inszenierung außerplanmäßig durchkreuzten. Es gab allerdings keinerlei physische Aktion, es flog kein Stuhl und auch die teilweise recht rabiaten Saalverweise wurden ohne Gegenwehr hingenommen. Ebenso sind wir keine Spaßguerilla, die bunte Kostüme und Trommeln auffährt, um keine inhaltliche Auseinandersetzung führen zu müssen. Nach einer halben Stunde haben wir ein Flugblatt verteilt und sind von dannen gezogen. Sollen die Antisemiten doch ihre Kreise drehen.

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Protest gegen Fried-Lesung

Posted in Texte by monacoverein on Juli 2, 2011

Gestern abend fand in München eine Lesung antizionistischer Gedichte Erich Frieds in der Hochschule für Philosophie der Jesuiten statt. Wir haben protestiert und dabei folgendes Flugblatt hinterlassen:

Erich Fried Chicken

Gegen den antizionistischen Gesinnungskitsch!

»Erich Fried zählt zu den bekanntesten Lyrikern der deutschen Sprache. Wenig bekannt sind jedoch seine politischen Gedichte, vor allem das Buch ›Höre, Israel!‹ von 1974«, behauptet der umtriebige Arbeitskreis Palästina ›Salam-Shalom‹ in seinem Einladungsflyer. Wie immer bei diesen Verrückten, die Wahrheit für eine Lüge verschwörerischer Mächte halten und sich ganz auf ihren antisemitischen Wahn verlassen, verhält es sich selbstverständlich genau umgekehrt: Erich Fried ist vor allem für seine als »Lyrik« verkauften Ressentiments gegen Israel bekannt; seine übrigen, nicht weniger miesen Gedichte kennt kaum noch jemand. Wäre Fried bei seinen Leisten geblieben – der Übersetzung großer Literatur aus dem Englischen – er hätte durchaus als Meister der Sprache gelten können. Aber er hat es selbst verbockt, indem er die Dichtung in den Dienst der Politik stellte und damit ihren ästhetischen Gehalt preisgab. Übrig blieb nur noch Gesinnungskitsch – und genau das ist der Grund, warum der Münchener Hamas-Sympathisantenkreis Erich Fried als einen der ihren ausgemacht hat. Wer die universelle Lüge, die Juden seien die Nazis von heute (Erich Fried) und die Palästinenser die Opfer eines »Vernichtungskrieges« (Norbert Blüm), die Häftlinge eines »Konzentrationslagers Gaza« (Giorgio Agamben), zum politischen Grundprinzip erhebt, der kann mit Kunst nichts anfangen; der braucht Propaganda. Und die bietet Erich Fried. Dabei weiß jeder, was ihn erwartet. Zum Beispiel so was:

 Wollt jetzt wirklich ihr
die neue Gestapo sein
die neue Wehrmacht
die neue SA und S.S.
und aus den Palästinensern
die neuen Juden machen?

Nimmt man Ernst, was Fried da zusammengeschustert hat – und was, nebenbei bemerkt, jeden formalen Kriteriums von Lyrik entbehrt –, dann waren die jüdischen Häftlinge in Auschwitz Terroristen, die es auf Massenmord abgesehen hatten, und das Vernichtungslager nichts anderes als ein gewöhnliches Gefängnis. So denkt es sich der Antiimperialist von ›Salam-Shalom‹, der NPD-Kader und Irans Präsident Achmadinedschad.

Menschen mit solch hässlichen Gedanken können mit poetischer Erfahrung nichts anfangen, weil diese immer auf eine noch ausstehende Versöhnung verweist, die mit den gutmenschelnden Ratschlägen der Israel-Kritiker rein gar nichts gemein hat. Fordern diese, Israel solle mit seinen Todfeinden reden und darauf verzichten, sich zu verteidigen – die eigene Vernichtung also achselzuckend in Kauf nehmen –, so verweigert sich gelungene Poesie eingedenk ihres nichtbegrifflichen, ja, nicht einmal logischen Charakters jeder unmittelbar politischen Parteinahme. Ein gutes Gedicht kann verstören, aber sobald es zum bloßen Mittel gemacht wird, muss sich auch seine ästhetische Form ändern: sie wird Propaganda, Konservendichtung, Fast Food. Erich Fried war bereit, diesen Preis zu zahlen. Und deshalb hört sich das, was er als Lyrik feilbot, auch so furchtbar an:

Weil faschistische Mörder
Juden vertrieben haben
sollen jetzt faschistische Mörder
die Palästinenser
die unschuldig waren
am Tod der Juden Europas
so ermorden wie damals
die Juden ermordet wurden

Erich Fried war ein Antisemit und die seine Propaganda hören wollen, sind es auch. Sartres Feststellung, es sei unmöglich, einen guten antisemitischen Roman zu schreiben, gilt umso mehr für das Gedicht. Deshalb sind wir heute nicht hier, um Sie über die »wahren Hintergründe des Nahostkonflikts« aufzuklären oder Ihnen Ihren Antisemitismus auszureden. Wir sind gekommen, um Ihnen unsere Verachtung auszusprechen, denn wir betrachten es als unsere Pflicht, Ihren Furor wenigstens nicht unkommentiert zu lassen. Erfreuen Sie sich nur weiter an solchen Kalauern, die mit Dichtung nichts zu tun haben:

Die Krotts hatten nur eine entartete Maus,

die machte sich aus Speck nichts draus.

Was der alte Fried konnte, können wir schon lange:

Die Antisemiten sind ein Graus

und jetzt ist die Geschichte aus.

 

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Just say no!

Posted in Texte by monacoverein on Juni 16, 2011

Kein palästinensischer Staat mit Fatah und Hamas!

Niemand kann sich im Klaren darüber sein, wie die Zukunft aussieht. Doch die Menschen können mit einer offenen Zukunft nichts anfangen, ihnen graut vor Überraschungen. Dies sichert die Lebensgrundlage von Wahrsagern, Horoskoperstellern, Versicherungsvertretern und Samanda und Rebecca vom Astrokanal. Derselbe Umstand, der jedoch einem durchschnittlichen deutschen Sekundärtugendenbesitzer normalerweise Schauer um Schauer über den Rücken jagt und selbst den geringwertigsten Gebrauchsgegenstand spezialversichern lässt, lässt sie kalt, wenn es um die geplante Anerkennung von Palästina als Staat vor der Generalversammlung der UN im September geht. Offenbar fürchtet man die Überraschungen, die durch die Staatsgründung hervorgerufen werden können, nicht – vermutlich ahnt man, dass sie ‚nur’ Israel betreffen dürften. Sollte etwa diese Staatsgründung vom allgemeinen Tenor begleitet sein, dass Israel nun bitteschön die westliche Welt mit seinen Problemen in Ruhe lassen soll?

Israel, und besonders dessen Ministerpräsident Netanjahu, gelten gemeinhin als nicht dialogfähig, und das trotz guter Ratschläge von Seiten der internationalen Gemeinschaft. „Ich habe oft mit israelischen Politikern gesprochen und sie gedrängt, flexibel zu sein und den Palästinensern Anreize zu bieten, so dass der Dialog ohne Vorbedingungen wieder beginnen kann“, sagte beispielsweise UN-Generalsekretär Ban Ki Moon[1]. Niemanden interessiert es dabei, dass ein Dialog ohne Vorbedingungen in einer Situation wie dem sogenannten Nahostkonflikt, bei dem eine Seite unverhohlen die Vernichtung der anderen propagiert und fordert[2], einzig dem finsteren Ansinnen von Hamas und Co. zuarbeitet.

Dass Barack Obama sich neuerdings, abgesehen von einigen Gebietsaustauschen, positiv auf die Grenzen von 1967 bezieht, kann ebenfalls nur als Aufforderung zur Kapitulation vor der neuen palästinensischen Einheitsfront aus Hamas und Fatah verstanden werden. Denn auch wenn Netanjahu immer nur damit zitiert wird, dass Israel ohne die Golanhöhen nicht zu verteidigen sei, hält es keine Zeitung für notwendig, auch nur einmal die Frage zu stellen, ob er nicht Recht haben könnte. Alles, was die israelische Regierung sagt, wird, ohne das geringste Zögern, als „Kriegspropaganda“ denunziert, während die permanenten Drohungen der Palästinenser als aus der Verzweiflung geborene, aber nicht weiter ernstzunehmende Rhetorik abgetan oder, wie im Fall des irren Leitartikels von Mahmud Abbas in der New York Times[3], gar nicht erst thematisiert werden (letzteres hätte schließlich bedeutet, das Bild von der Fatah als unideologisch-gemäßigter Kraft überdenken zu müssen). So sind die einzigen, die Netanjahus Warnungen Augenmerk schenken, die Palästinenser. So äußerte sich Nabil Shaath, der 2010 palästinensischer Chef-Unterhändler bei den Friedensgesprächen in Washington war, gegenüber dem International Herald Tribune: “In einer Welt mit Nuklearwaffen, Raketen, und einer starken Luftwaffe wie der israelischen, ist es irrelevant von nicht zu verteidigenden Grenzen zu sprechen, insbesondere im Bezug auf ein kleines Land wie Palästina.”[4] Offensichtlich sind die Vorbedingungen für den Frieden, welche die einstige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir bereits in den 70er Jahren eingefordert hatte, noch längst nicht erfüllt, wenn das erste, was einem palästinensischen Offiziellen zur Verteidigung Israels einfällt, ausgerechnet Nuklearwaffen sind. Dass Netanjahu wohl kaum ernstlich in Erwägung ziehen würde, die Golanhöhen, sollten sie in syrischer Hand sein und sich von dort aus ein Angriff ereignen, mit Nuklearwaffen zu beschießen, dürfte außer dezidierten Antisemiten jedem klar sein. Doch Shaath scheint – stellvertretend für andere – so in seinem Wahn gefangen zu sein, dass er von der nuklearen Apokalypse geradezu besessen ist. Wie man selbst die Juden nicht etwa vertreiben oder diskriminieren, sondern auslöschen will, so halluziniert man sich das „zionistische Regime“ (Ahmadinedschad) als blutrünstige Ausgeburt Satans höchstpersönlich herbei.

Angesichts solcher Zustände fällt Barack Obama nichts besseres ein, als fromme Wünsche zu formulieren: “Von keinem Land kann verlangt werden, mit einer terroristischen Vereinigung zu verhandeln, die sich seiner Vernichtung verschrieben hat. Wir werden weiterhin von der Hamas fordern, dass sie die grundlegenden Pflichten des Friedens inklusive der Anerkennung des Existenzrecht Israels, der Ablehnung von Gewalt und des Einhaltens existierender Abkommen akzeptiert.”[5] Dass sich die Hamas, wollte sie dieser Forderung entsprechen, auflösen müsste, Obama also genauso gut die zweite Erscheinung Christi oder fliegende Schweine fordern könnte, müsste ihm dabei eigentlich klar sein.

Niemand kann es den Palästinensern verdenken, dass sie der Situation, in Camps leben zu müssen und keine Bildung zu erhalten, entfliehen wollen. Beide Umstände sind allerdings der Palästinenserbehörde in Kooperation mit der UN sowie den angrenzenden arabischen Staaten zu verdanken – und eben nicht Israel. Die Palästinenserbehörde erhält den Flüchtlingsstatus künstlich aufrecht und verbietet es den Kindern der „Flüchtlinge“, am Unterricht teilzunehmen[6]. Israel ist dagegen der einzige Staat im Nahen Osten, in dem eine Demokratie westlichen Zuschnitts besteht, Homosexuelle ihre Beziehungen öffentlich zeigen können und in dem Frauen die selben Rechte wie Männer haben. In einen Landstrich zurückzukehren, den ihre Großeltern zuletzt gesehen haben, befreit die palästinensische Bevölkerung nicht von den korrupten, terroristischen und willkürlichen Führern, die sie selbst unterstützen und deren Vereinigung sie abfeiern. Einen Vorgeschmack auf das, was diese Führer mit der israelischen Bevölkerung vorhaben, bot der sogenannte Nakba-Tag, als sie hunderte Berufspalästinenser an der libanesischen Grenze Steine auf israelische Soldaten werfen ließen und weitere Horden auf den Golanhöhen, bei Hebron und von der West Bank aus auf Israel losjagten oder dies symbolisch auf die israelische Botschaft in Kairo taten[7]. Dies wiederholte sich am Naksa-Tag von syrischer Seite.

Diese abgesprochenen Attacken von allen Seiten verweisen zusammen mit der nur als zweites Seeräuberkommando zu bezeichnenden[8] Free-Gaza-Flotilla darauf, dass die Aggressoren weder bilaterale Friedensabkommen noch internationales Recht akzeptieren, sondern einzig und allein ihren antisemitischen Vernichtungswillen durchsetzen wollen. Dass dafür radikalen Mohammedanern und anderen Irren jedes Mittel und jede Lüge gerechtfertigt ist, kann u.a. in der von der Al-Azhar-Universität in Kairo goutierten Übersetzung The Classic Manual of Islamic Sacred Law auf den Seiten 744-746 nachgelesen werden. Jede Ausrichtung einer palästinensischen Staatsgründung nach den palästinensischen Vorgaben – anderen wird der Block aus Hamas und Fatah niemals zustimmen – hat somit zweifelsohne die Vernichtung Israels zum Ziel. Im Angesicht dieser Bedrohung zu fordern, der Bedrohte solle den Bedrohenden Anreize schaffen, damit der Dialog ohne Vorbedingungen geführt werden könne, ist blanker Hohn. Es liegt auf einer Linie mit der bisherigen Rolle der UN bezüglich Israels, die zwar reichlich Resolutionen gegen den Mitgliedsstaat Israel, nicht aber gegen eine terroristische Organisation wie die Hamas fertig bringt.

Auch in München ist die Stadt bemüht, sich dieser Linie anzupassen. Wie schon die Jahre davor unterstützte sie finanziell die „Palästinatage“, die unter anderem im Eine-Welt-Haus und im Gasteig stattfanden und auf einer illustren Veranstaltung den angeblich gewaltlosen Widerstand von Palästinensern hochjubeln ließen, um vom antisemitischen Terror nicht reden zu müssen. Diese Veranstaltung bildete den Abschluss der von hinlänglich bekannten Gestalten des „Münchner Friedensbündnisses“ und des „Palästina Komitees München“ ausgerichteten Hetzkampagne gegen Israel. In einer dieser Veranstaltungen im Gasteig wurde die so genannte Einstaatenlösung propagiert, auf ausliegenden Texten wurde vor „jüdischer Paranoia“ gewarnt. Die Idee dieser Einstaatenlösung ist simpel: Alle Palästinenser, inklusive dritter und vierter Generation aus anliegenden arabischen Staaten, sollen auf dem Gebiet Israels samt Gaza und West Bank dieselben Bürgerrechte wie die Israelis erhalten. Die Golanhöhen sollen, was keineswegs eine Überraschung darstellen dürfte, dabei wieder Syrien zufallen. Zu der seit ihrer Vertreibung bzw. Flucht von 700.000 auf 3,7 Mio. gestiegenen Anzahl palästinensischer „Flüchtlinge“ (interessant ist bei dieser Entwicklung die inflationäre Verwendung des Begriffes „Völkermord“; der einzige Völkermord, der zu einem Bevölkerungsanstieg geführt hat) kämen dazu noch knapp 5,7 Mio. aus anderen Staaten dazu[9]. Dem ständen 5,8 Mio. jüdische Einwohner gegenüber, die dadurch eine Minderheit werden würden: Israel als souveräner jüdischer Staat und Schutzraum für alle vom Antisemitismus Verfolgten wäre erledigt. Die Hamas, welche durch ihr Bündnis mit der Fatah in der öffentlichen Meinung zwar an Seriosität gewonnen, allem Vernehmen nach aber nichts an ihrer Einstellung geändert hat, schlägt in ihrer immer noch gültigen Charta zum Umgang mit dieser Minderheit Folgendes vor: „Der Tag des Jüngsten Gerichts wird nicht kommen, bis die Moslems die Juden bekämpfen (die Juden töten), wenn die Juden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Die Steine und Bäume werden sagen O Muslime, O Abdulla, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.”[10]

Scheich Yunus al-Astal, Imam und Rechtsgelehrter der Hamas, legte 2008 den Koranvers „durch Feuer leiden ist das Schicksal der Juden in dieser und der nächsten Welt“ so aus: „Der Grund für diese Strafe durch Verbrennen ist, dass es die angemessene Strafe dafür ist, was sie getan haben. Aber die dringliche Frage ist, ob es möglich ist, dass sie die Strafe des Verbrennens in dieser Welt bekommen, vor der großen Strafe des Schmorens in der Hölle? Viele religiöse Anführer sind dieser Meinung. Deshalb sind wir sicher, dass der Holocaust erst über die Juden kommen wird.“[11] Sie sind sich deshalb so sicher, weil sie den zweiten Holocaust selbst planen.

Wenn die Palästinenser im September von der UN einen Staat zugesichert bekommen, könnte dieser widerliche Antisemit und Holocaustleugner tatsächlich insofern Recht haben, als dass die Vernichtung der Juden auf israelischem Boden gelingen kann. Wenn das passiert, dürfte das den durchschnittlichen deutschen Sekundärtugendenbesitzer noch unter Umständen betroffen machen, ihn aber ebenso wenig wie Barack Obama und die UN überraschen. Was Samanda und Rebecca vom Astrokanal dazu sagen würden, ist uns allerdings nicht bekannt.


[1] Laut AFP vom 20.05.2011

[2] z.B.: Hamas Prime Minister in Gaza Ismail Haniyeh urged the PLO Friday to rescind its recognition of Israel in response to the Jewish state’s objection to the Palestinian unity agreement. Haniyeh said that there was no justification for recognizing the „Israeli entity“ in wake of Israel’s objection to Palestinian rights and unity. „Their presence on our land is illegal and cannot be recognized,“ the Hamas leader said. (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4062337,00.html).

[8] Man vergleiche hierzu die fantastische Aktion in Leipzig bei einem Vortrag der Frauendecksitzerin Inge Höger (http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/heimkehr-einer-veteranin/) im Bezug auf die Mavi Marmara

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„Uff de’ schwäb’sche Eisebahne…“

Posted in Termine, Texte by monacoverein on November 21, 2010

Die Proteste gegen Stuttgart 21 als Spielwiese der Gegensouveränität


Vortrag & Diskussion mit Uli Krug (Redaktion Bahamas)

In Stuttgart wird ein Bahnhof gebaut. Der schäbige, alte Kopfbahnhof, der die Durchreisenden dazu zwang, länger als eigentlich nötig in der Spießermetropole Nummer 1 zu verweilen und kostbare Lebenszeit für mehr als einen Blick auf ein trostloses Beispiel antimoderner Architektur zu opfern, wird endlich abgerissen. Doch was machen die Schwaben und ihr möchtegernschwäbischer Anhang? Sie protestieren dagegen. Nicht dass ihnen ihre Stadt so gut gefällt, ist der Grund dafür, dass sie völlig aus dem Häuschen sind, wenn endlich mal jemand städtebauliche Maßnahmen ergreift, denn man sieht diesen verzückt dreinschauenden Gesichtern auch aus größter Entfernung noch die erbärmlich bornierte Existenz an, die sie hochtrabend „Leben“ nennen. Nein, im Zentrum der aufwallenden Heimatliebe steht die Gemeinschaft, die verkorkste, weil wahnhaft-projektive Version gesellschaftlichen Miteinanders, das die Kleinbürger und Laubenpieper nur in der Form zweckfreier Konkurrenz ihrer Schützenvereine kennen. Niemand glaube, diesen Frührentnern und Spätpubertierenden ginge es auch nur irgend um ihr eigenes Wohl oder das ihrer Mitmenschen. Allzu tief sitzt die quasi angeborene Neidbeißerei, der Hass auf den Konkurrenten, das Ressentiment gegen den, der das Bessere will. Der „soziale Protest“, der momentan zu beobachten ist, hat rein gar nichts mit einer rational nachvollziehbaren Kritik zu tun, sondern ist die bloß quantitative Ausweitung des dauernden Nörgelns der Fahrradväter, Hausfrauen und ihrer leider gar nicht so politikverdrossenen Kinder, die ihr eigenes Unvermögen auf die scheinbar feindselige Außenwelt projizieren. Sie sehnen sich nach einer Gemeinschaft, innerhalb derer die Konkurrenz still gestellt ist, weil sie sich umso aggressiver nach außen, gegen den gemeinsamen Feind richten kann. Die Demonstrationen sind, entgegen der begeisterten Interpretation der Linken, eine schlechte Überwindung des drögen Alltags, die pathologische Aktualisierung des kindlichen Dranges, endlich einmal mitspielen zu dürfen. Was da „verhindert“ werden soll, ist jede nur denkbare Veränderung der provinziellen Tristesse, weil man zwar unzufrieden ist, das aber immer noch besser findet als die Nötigung, sich ständig entscheiden zu müssen. Alles soll seinen gewohnten Gang gehen, nur bitteschön ohne die „Bonzen aus Berlin“, die „Heuschrecken“ und anderes Ungeziefer[*], deren durch Profitmaximierung motivierte Unternehmungen den scheinbar herrschenden „sozialen Frieden“ nebenbei auf ein höheres, zivilisierteres Niveau heben könnte, sodass die Gesellschaft an die Stelle der Gemeinschaft träte.

Gegen die Herrschaft des Mobs

Nicht eine einzige Person wird durch den Bau des neuen Bahnhofes absichtlich verletzt werden, keiner wird deshalb verhungern oder erfrieren (im Gegenteil), und niemand droht darum die Abschiebung oder Verhaftung. Und doch behaupten die Protestierenden, es gehe um nichts weniger als um die „Zerstörung der Stadt“ (www.kopfbahnhof-21.de). Wo der wahnwitzige Kult um die Heimat so stark ist, dass jede Veränderung, ja sogar jede Verschönerung zur „Zerstörung“ erklärt wird, während man sich um die physisch und psychisch durch den Gang der kapitalistischen Logik Zerstörten, die auch in Stuttgart allgegenwärtig sind, nicht im Geringsten schert, da ist „sozialer Protest“ nur ein anderes Wort für irregewordene Raserei. Der Bahnhof wird zur heiligen Stätte, die Steine selbst zum Symbol des Widerstands gegen ein fetischisiertes Abbild des Kapitalismus, der alles niederreiße und nichts als neue Wunden hinterlasse, die nie wieder verheilten.

Gegen diesen „Raubtierkapitalismus“ (Helmut Schmidt) der Banken und Konzerne helfe nur die geballte Wut des Volkes, ein Aufstand der Anständigen, die sich nicht mehr durch das korrumpierte Staatspersonal repräsentiert fühlen. Die in der Form Demokratie als Tendenz angelegte Herrschaft des Mobs wird in Stuttgart als wirksame Arznei gegen volks- und umweltschädliche Potentaten empfohlen. Die Zauberformel der Stunde heißt, in Ermangelung eines Volkstribuns Hitlerschen Typus, mit dem sich die Massen fraglos identifizieren könnten, „Volksbefragung“.[†] Die Ausschaltung des Parlaments und des rationalen, weil kalkulierbaren Rechts zugunsten der obskuren und willkürlichen Beschlüsse eines sich ebenso spontan wie vorhersehbar bildenden Plebiszits der Öko-, Friedens- und Sozialaktivisten läuft auf nichts weniger als eine postmoderne Version der Volksgemeinschaft hinaus. Die Geister, welche durch die von den Politologen geforderte „Demokratisierung“ hervorgerufen wurden, tauchen nun an den verschiedensten Stellen auf. Immer öfter wird in letzter Zeit gefordert, dass „Konsequenzen“ gezogen werden müssten. So wurde in Duisburg versucht, den Oberbürgermeister aus dem Amt zu entfernen, und in Baden-Württemberg, die Wahl vorzuziehen, um den Ministerpräsidenten loszuwerden. Auch der Protest gegen S21 ist nicht ohne Vorläufer, allein in München sind die Bewegungen gegen den Transrapid, gegen eine Trambahn im Englischen Garten und gegen Hochhäuser in der Innenstadt zu nennen – und sie alle haben sich durchgesetzt. Dabei fällt auf, dass gerade diejenigen Projekte, die auch in einer zukünftigen freien Gesellschaft noch nützlich wären, am härtesten bekämpft werden. Der Protest gegen S21 und der Hass auf das Großprojekt „befreite Gesellschaft“ gehören zusammen, weil beiden – dem einen im beschränkten Rahmen instrumenteller Vernunft, dem anderen in Form der Abschaffung existentieller Sorgen – Rationalität eignet. So sehr der Zukunftsbahnhof in Stuttgart gebaut wird, weil Kapital und Staat sich dadurch eine Steigerung der Profitrate versprechen, so sehr handelt es sich doch um ein durchaus brauchbares und, nicht zu vergessen, ästhetisch ansehnliches Bauwerk, das gefälligst allen zugänglich gemacht werden sollte, die in der auf Warentausch basierenden Gesellschaft mangels Geld noch weitgehend von seiner Nutzung ausgeschlossen wären. Mobilität ist, anders als hässliche und schlechte Bahnhöfe, ein Wert für sich, der nicht nur verteidigt, sondern ausgedehnt und verallgemeinert werden muss. Ohne Mobilität keine Weltgesellschaft – so einfach ist das.

Die Zwickmühle – ein paar Ratschläge für’s Kapital

Angesichts des Stuttgarter Szenarios ist der bürgerliche Staat in eine Zwickmühle geraten, denn einerseits stützt er seine Legitimität auf die Fiktion der „Volkssouveränität“, nach der das Regierungspersonal nur den Volkswillen repräsentiert, andererseits aber widerspräche es jeder volkswirtschaftlichen Logik, das Projekt Stuttgart 21 nur wegen ein paar hunderttausend Protestierenden abzublasen. Doch gerade wenn die Interessen des bourgeois (Bahnchef Grube) und die Sehnsüchte der citoyens (die Protestbewegung) auseinander zu fallen drohen, ist der Staat als ideeller Gesamtkapitalist gefragt. Sogar Lenin wusste, dass die Existenzgrundlage des Staates der soziale Widerspruch und seine Aufgabe die Befriedung dieser Widersprüche ist. Der Staat steht damit, anders als Lenin glaubte, über Kapital und Arbeit, bourgeois und citoyen, Grube und Schwabe gleichermaßen. Seine Aufgabe ist es, die verfeindeten Parteien zu einem „sozialverträglichen“ Kompromiss zu bringen. Weil das „Volk“ eine vom Staat zur Geltung gebrachte Abstraktion ist, insofern nur diejenigen Willensbekundungen akzeptiert werden, die der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung nützen, ist es äußerst ärgerlich, wenn eine nicht zu ignorierende Masse von Staatsbürgern eine Forderung stellt, die dem Sinn der Demokratie – die möglichst reibungslose Mehrwertakkumulation – entgegensteht. Dann muss „integriert“ und „versöhnt“ werden. Dafür hat der Staat, der ja selber eine mit Gewaltmitteln ausgestattete Realabstraktion ist, Heiner Geißler und die Grünen. Ein „Widerstand“, der auf die Ausschaltung der parlamentarischen Ordnung zielt, passt auch ihnen nicht, schließlich ist deren Funktionieren ihr Lebenselixier. Daher dürfte es die richtige Strategie für das Kapital sein, auf die Grünen zu setzen und zu hoffen, dass es ihnen gelingt, nach außen durch die üblichen Maßnahmen (Holz aus heimischer Wirtschaft, Aufforstung, Nachhaltigkeit aller Art, fachgerechte Entsorgung des Bauschutts, Recycling, Umsiedlung der Kaulquappen etc.) zu befrieden und das Projekt im Kern durchzusetzen. Zur Not kann der beliebte Bahnhof steinchenweise abgebaut und in Form eines Museums dem Bürger später wieder zugänglich gemacht werden. Doch all das wird Zeit kosten.

Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Westerwelle warnen völlig zu Recht vor einer „Lähmung des Landes“ und davor, dass der (zugegeben abstrakte) Wohlstand so nicht zu halten ist, wenn sie anfingen, Projekte wie Stuttgart 21 wegen 200 Bäumen und der schwäbischen Sentimentalität einzustellen. Doch ihr Verweis auf das Gemeinwohl wirkt hilflos. Sie scheinen machtlos gegen eine Bewegung zu sein, die doch ihre Wertvorstellungen teilen sollte. Denn bei Stuttgart 21 handelt es sich genau um jene zivilgesellschaftlichen Bewegungen, welche von den Soziologen unter dem Namen Sozialkapital als Wohlstandsindikator für die modernen Demokratien angesehen werden. Gerade weil sie keine homogene Lobby bilden, die nur ihre Interessen auf Kosten der Gemeinschaft durchsetzen wollen, gerade weil sie keine extremistische Splittergruppe sind, weil sie dem Gerede vom bürgerschaftlichen Engagement einmal etwas Farbe geben, darf man sie nicht mit Wasserwerfern abräumen. Doch zugleich ist jeder Tag, an dem nicht gebaut wird, ein verlorener Tag. Das ist der Grund, warum ein verständiger Politiker das fordern muss, was die Faz (11.10.2010) auf ihrer Titelseite trotzig von sich gibt: Nicht ein Baustopp, sondern ein Proteststopp ist vernünftig. Dem schließen wir uns an.

Vortrag & Diskussion mit

Uli Krug (Redaktion Bahamas)

Mittwoch, 19. Januar 2011

Genauere Informationen über Ort und Uhrzeit folgen noch.



[*] Ausgenommen echtes Ungeziefer; das will man „retten“.

[†] Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ergab jüngst, dass sich jeder vierte nach einer „starken Partei“ sehnt, die die „Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Jeder zehnte macht es noch offener und bekennt sich gleich dazu, er wünsche sich einen „Führer“. Vgl. Die Welt vom 17.10.2010.

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Die antisemitischen Ausfälle des Michael Wüst

Posted in Texte by monacoverein on Oktober 26, 2010



Offener Brief an die Kultfabrik

 

Liebe Kultfabrik,

die Apotheker haben die Apotheken-Umschau, die Bäcker die Bäcker-Blume, und die Kultfabrik, als umfangreiches Wirtschaftsunternehmen, hat das K Nacht Magazin. Nichts daran ist ungewöhnlich, schließlich will die Kundschaft nicht nur informiert, sondern auch ständig daran erinnert werden, wo sie ihr Geld zu lassen hat. Ungewöhnlich aber ist, und das würde den Redakteuren der Apotheken-Umschau und der Bäcker-Blume nie einfallen, wenn ein solches Werbeblatt plötzlich meint, sich zu politischen Fragen äußern zu müssen. Nicht nur verbietet die unternehmerische Logik solch ein Unterfangen – schließlich sollen keine Kunden aufgrund politischer Positionen abgeschreckt werden –, auch der Zweck einer solchen Positionierung ist nicht wirklich ersichtlich. Will man sich plötzlich einen politischen Anstrich geben, um damit den ewigen Kritikastern aus der Subkultur, in der Kultfabrik werde nur sinnfreier Kommerz betrieben, den Wind aus den Segeln zu nehmen?

Sollte das der Fall sein, so hat euer Redakteur Michael Wüst jedenfalls den falschen Weg gewählt. In seiner Kolumne in der Oktober-Aussage hat er einen, ja: rechtsextremen Text zusammengeschustert, wie ihn die NPD nicht besser hinkriegen würde. Unter dem reißerischen Titel „Die deutsche Nation!“ gibt Wüst seine Meinung zu Sarrazins irrer These ab, Deutschland schaffe sich ab. Er lobt Sarrazin dafür, „in Fragen deutscher Nation“ vorgelegt zu haben und damit der „europäischen Endeinigung“ (soll das eine witzige Anspielung auf die „deutsche Endlösung“ sein?) und der angeblich „gesinnungsüberwachten Republik“ entgegen getreten zu sein. Tadel erntet Sarrazin nur, weil er „ohne nationale Erregung“ schreibe. Im weiteren Verlauf steigert sich Wüsts Tirade zum Lobgesang auf elitäres Denken und sieht sich, spinnert genug, von „Wächtern“ und „Empörungsgarden“ umzingelt. Der Arme! Zum Glück gibt es noch das K Nacht Magazin, wo sich subversive Geister noch ungegängelt aussprechen dürfen.

Bedient Wüst in seinem Text das autoritäre Bedürfnis von Neonazis, ostdeutschen Rentnern, linken Verschwörungstheoretikern und anderen notorischen Querdenkern, so nimmt es nicht Wunder, dass sein stolzer Nationalismus in einem antisemitischen Ausfall kulminiert, der an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen ist: „Der deutsche Friedman Michel arbeitete sich sofort regelrecht an Sarrazin ab, schwitzte und bespuckte den Bespucker. Er markierte fleißig wie ein geöltes Wiesel.“ Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass das Bild Friedmans (immerhin einer der prominentesten Juden Deutschlands), das hier gezeichnet wird, auf zahlreichen antisemitischen Stereotypen aufbaut. Die Degradierung Friedmans zum Untermenschen, der nicht Herr über seine Körperflüssigkeiten sei, wie vom Wahnsinn getrieben ehrlichen deutschen Volksgenossen ans Leder wolle und sich daher – selbstverständlich erfolglos, denn ein Juden bleibt ein Jude – „einöle“, um nicht als Jude erkannt zu werden; zuguterletzt der Wiesel-Vergleich, der direkt die Ratten-Assoziationen aus Propagandafilmen wie Der ewige Jude aufgreift – kurz: Wüst hat sich hier einen Faux Pas erster Güte geleistet.

Da wir trotzdem nicht davon ausgehen, dass Juden und deren antinationale „Wächter“ in der Kultfabrik unerwünscht sind, fordern wir hiermit die Verantwortlichen dazu auf, sich für die Kolumne öffentlich zu entschuldigen und dafür zu sorgen, dass Wüst seine wüsten Gedanken in Zukunft für sich behält. Das macht seine Kolumne zwar nicht ungeschehen, zeigt aber zumindest, dass Wüst mit seinen Wahnvorstellungen alleine steht und dass die Kultfabrik nicht gewillt ist, antisemitischer Hetze Raum zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Tabea Lutz (Sprecherin der Gruppe Monaco)

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Luftschlösser aus Wahngebilden

Posted in Texte by monacoverein on August 5, 2010

Die Münchner Linke wehrt sich gegen ideologiekritische Belästigungen

Unsere Ankündigung, Mitte Juli einen Vortrag zum Thema Warum es um Israel geht mit Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller zu veranstalten, versetzte die Münchner Linke in helle Aufregung. Schließlich fürchtete man zu Recht, dass Wertmüller die linke Kumpanei mit islamischen Gotteskriegern wie denen vom Hamas-Solidaritätsschiff „Mavi Marmara“  denunzieren würde, die sich in den letzten Monaten in zahlreichen Veranstaltungen – etwa im Eine-Welt-Haus und im etablierten Gasteig – manifestierte. Weil niemand hören sollte, wie antisemitisch die hiesige Linke ist, bedurfte es gehöriger Anstrengungen, um die Wahrheit wegzuzensieren. Den Staat braucht man dazu gar nicht mehr, denn der ist in den Augen der Linken ohnehin zu zögerlich, wenn es darum geht, mutmaßliche Volksfeinde zu verfolgen. Deshalb nahm die Linke selbst das Heft in die Hand und spielte sich als Zensurbehörde im Auftrag des Gemeinwohls auf. Das Volk, so weiß man, hat ein Recht darauf, von ätzender Ideologiekritik verschont zu bleiben. Und so mobilisierte die linksextreme Wagenburg mit einem Eifer gegen die Veranstaltung, den man sonst nur von Aktionen gegen NPD-Parteifeste und Nazi-Konzerte kennt. Zweimal musste der Veranstaltungsort verlegt werden, weil ein halbes Dutzend Denunziationsanrufe bei den Betreibern einging. Zunächst weigerte sich der Sozialarbeiter vom Kreisjugendring, der formell im Club „Neokeller“ das Sagen hat, eine Veranstaltung, auf der das Bedürfnis nach „Israelkritik“ als antisemitischer Reflex enttarnt werden sollte, in den Räumlichkeiten stattfinden zu lassen, weil das – man höre und staune – „rassistisch“ sei. Ob die Begründung für die Absage stichhaltig ist oder nicht, ob sie nur halbwegs rational nachvollziehbar ist, das ist bereits egal, denn es reicht vollkommen aus, sich von den Wogen des gesunden Volksempfindens mitreißen zu lassen und bloß nicht auszuscheren. Dass ein städtischer Angestellter Maßnahmen gegen Veranstaltungen, die sich ganz parteiisch für Israel aussprechen, ergreifen kann, verwundert zwar angesichts der mehrheitlich antizionistischen Stimmung in diesem Land nicht, aber das macht die Sache nicht besser. All die hochtrabenden Reden von der „besonderen Beziehung“ Deutschlands zu Israel gelten keinen Pfifferling mehr, wenn es konkret darum geht, sich unmissverständlich für Israel zu positionieren oder auch nur – wie in diesem Falle – einer solchen Positionierung das demokratische Recht auf Meinungsfreiheit zuzubilligen. Dass es sich bei der Solidarität mit dem jüdischen Staat nicht um eine „Meinung“ handelt, sondern um ein Gebot der Vernunft, kann man überzeugten Demokraten sowieso nicht beibringen; dass aber die gebetsmühlenartig beschworene „Toleranz“ tatsächlich nur für diejenigen gilt, die den volksgemeinschaftlichen Konsens nicht infrage stellen, zeigt darüber hinaus, wie totalitär diese Gesellschaft nach wie vor ist.

Das gilt nicht nur für die Sozialarbeiter, von denen man schon deshalb nichts anderes erwartet, weil es sich bei Leuten, die diesen Beruf ergreifen, zumeist um notorische Weltverbesserer und Gutmenschen handelt, die aus reinem Bauchgefühl heraus – also fern von jeder kritischen Reflexion – auf der Seite der „Unterdrückten“ stehen, was im Nahostkonflikt selbstverständlich die Palästinenser seien. Soviel hat man doch schon mitbekommen aus der linksliberalen Presse, die man für „kritisch“ hält. Und so überraschte uns auch das Maß an Zynismus nicht wirklich, das sich im Anschluss an die Veranstaltung in einem persönlichen Gespräch zeigte, als in sarkastischer und emotionalisierter Aufwallung lautstark über die „armen, armen Israelis!“ gespottet wurde. Auch Gastronomen wie die vom „Goldenen Hirsch“, die dem Norman Paech gerne Raum für seine Hetzpropaganda gegen den jüdischen Staat zugestehen, lassen sich von ein paar abgehalfterten SDAJ-, DKP- und linksautonomen Blockwarten dazu bringen, eine Veranstaltung mit einem dezidiert nicht-linken Kritiker von Staat und Kapital wie Justus Wertmüller trotz der Aussicht auf ein lukratives Geschäft abzusagen. Einzig der gediegene Löwenbräukeller scherte sich offenbar nicht darum, dass er einen pro-israelischen Referenten in seinen Räumlichkeiten beherbergte, weil den – trotz der mehrmaligen Raumverlegung – immerhin 70 Leute hören wollten.

So sehr das Spektakel zeigte, wie groß das Bedürfnis nach radikaler Ideologiekritik in München ist und dass viele von der linken Szenegemeinschaft angewidert sind, so sehr ist doch noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Hetze der Linken, einschließlich der bereitwilligen Kollaboration des Kreisjugendringes und des „Goldenen Hirschen“, kein Zufall war, sondern Ausdruck eines Geisteszustandes, der in Deutschland, zumal in der SZ-Stadt München, hegemonial ist. Warum, das sei hier kurz umrissen.

Ludwigs Scheinwelt

München ist ein Touristenmagnet. Das Oktoberfest, die bayrische Esskultur und Trachtenunkultur, besonders aber die vielen Prachtgebäude ziehen Japaner genauso wie Amerikaner und Russen an – einzig die saudischen Prinzen mit ihrem weiblichen Sklavenanhang interessieren sich mehr für die Luxusgeschäfte und die Schönheitschirurgen am Starnberger See. Bei alledem verdienen die Münchner gut mit: Seien es die Gastwirte, die Textilindustrie, der Einzelhandel, die Privatkliniken und, last but not least, die Stadt selbst. Es ist ein durchaus fairer Tausch, denn der Tourist bekommt für sein Geld etwas geboten. Besonders die Prachtschlösser in und um München, die der berühmt-berüchtigte Ludwig II. in seiner Regentschaft von 1864-1886 erbauen ließ, sind durchaus eine Reise wert. Das Disney-Schloss Neuschwanstein ist sicher das bekannteste, aber auch die Schlösser Herrenchiemsee und Linderhof haben weit über Bayerns Grenzen hinaus einen wohlklingenden Namen. Was an den Bauten und den dazugehörigen Parks so fasziniert, sind nicht nur die üppig verwendeten Luxusmaterialien und die eklektischen Anleihen bei den verschiedensten Baustilen, sondern vor allem der sich in den Gemäuern niederschlagende Eskapismus des bayrischen Königs. Dessen Regentschaft fiel schließlich in eine Zeit, in der die fortschreitende Industrialisierung das damals noch weitgehend agrarisch geprägte Bayern zunehmend den Anschluss an die europäische Entwicklung verlieren ließ, wovon die Niederlage gegen Preußen im Jahre 1866 nur der krasseste Ausdruck war. Der verheerende Sieg Preußens und der damit einhergehende politische Bedeutungsverlust des bayrischen Königs veranlasste Ludwig, sich immer mehr aus den Regierungsgeschäften in seine eigene kleine Scheinwelt zurückzuziehen. Geprägt durch Wagners spätromantische Fantasien ließ er sich durch namhafte Architekten ein Reich erschaffen, in das er eintauchen konnte, um der realen Welt zu entfliehen. Das Pseudomittelalter – nicht zu Unrecht als Märchenwelt belächelt –, das er liebte, war Ausdruck einer psychopathologischen Regression, die Ludwig durchaus mit vielen seiner Landsleute teilte. Zugleich aber erstaunt der goût, mit dem Ludwig seine Welt ausstaffierte: Dem entstehenden deutschen Nationalismus durchaus distanziert gegenüberstehend (schließlich war dieser auch mit der Infragestellung seiner Macht verbunden), gefiel sich Ludwig darin, die Schönheiten anderer Länder und Regionen zu sich nach Bayern zu holen. So ließ er den Park am Chiemsee dem in Versailles nachbilden und in Linderhof einen prächtigen marokkanischen Kiosk einrichten. Anstatt einen deutsch-völkischen Mythos aufzubauen, war Ludwig einzig und allein an der Perfektion seiner privaten Scheinwelt interessiert. Die Weltabgewandtheit, die ihm bis heute vorgeworfen wird, war zugleich verbunden mit einem Desinteresse an Gemeinschaft und Volkstum. So sehr man Ludwig eine ausgeprägte Psychose wird bescheinigen müssen, so sehr hat ihn doch dieser Wahn davor gefeit, am unheilsamen Aufstieg des deutschen Volksstaates mitzutun.

Die Verdeutschung Bayerns

Etwas hat sich gehalten vom bayrischen Separatismus, der bis heute die Sonderstellung des Freistaates in der Bundesrepublik prägt. Allerdings zeigt nicht erst die Entwicklung der CSU zur „esoterischen Ökopartei“ (Wertmüller), dass das Bayerntum, auf das man sich gerade nach 1945, als man die Sache mit der „Hauptstadt der Bewegung“ vergessen machen wollte, so versteifte, längst einer Art nachholender Verdeutschung unterliegt. Und dazu gehört heute vor allem, sich von allem Traditionellen, Althergebrachten zu lösen und sich zu öffnen für eine ominöse „europäische Postmoderne“, in der das Bodenständige unter neuem Namen als das Allermodernste daherkommt. Die völkische Liebe zu Blut und Boden erscheint nun in Form von Ökostrom, Biofraß und Nichtraucherschutz, der Nationalchauvinismus als „verantwortungsbewusste Politik“ einer „Friedensmacht“ (G. Schröder) und der Antisemitismus als „berechtigte Israelkritik“. Was allerdings die in Bayern anzutreffende Melange aus idealisierter Provinzialität und aufgeklärt-deutschem Nationalismus besonders widerwärtig macht, sind die ausgeprägten Tendenzen zur direkten Demokratie, wie nicht erst der letzte Volksentscheid für den staatlichen Schutz des Volkskörpers gezeigt hat, den die ökofaschistische ÖDP initiiert hat. Das virtuelle Haberfeldtreiben des so genannten Volkes ist so deutsch, dass vom Glanz der Ludwigschen Schlösserwelt nicht viel übrig bleibt.

Es war und ist die Linke, die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass all das, was an Deutschland ekelhaft ist, nach 1945 erneut Gestalt annehmen und auch in breiten Bevölkerungsschichten Fuß fassen konnte. Mit jedem Erfolg, den die 68er und ihre Nachfolger verzeichnen konnten, war ein weiteres Puzzleteilchen für das ursprünglich ostdeutsche Modell „anderes Deutschland“ am Platze. Paradoxerweise führte jeder vermeintliche Fortschritt immer näher an das Original heran: an einen Nationalismus, der sich gegen den Westen (und ergo gegen die Juden und ihre scheinbaren „Vasallen“) in Stellung bringt. In der antiimperialistischen Feinderklärung gegen die USA und Israel schließlich findet Deutschland zu sich selbst. Die Süddeutsche Zeitung ist, so besehen, der Ausdruck des kollektiven deutschen Wahns.

Die linke Gegenwelt

Auch die „radikale“ Linke ist ein Teil dieses Volkes. Ja, man müsste präzisieren: Die Linksextremisten sind nicht nur eine inferiore Teilmenge, sondern bilden – darauf verweist der Terminus „extrem“ recht treffend – so etwas wie die Avantgarde des neuen deutschen Volkstums. All das, worauf Deutschland heute stolz ist, hat sich die Linke ausgedacht und vorgelebt: Den rasenden Antiimperialismus, den moralinsauren und volksgemeinschaftlich organisierten Antifaschismus, den differenzvernarrten Antirassismus, die Ökologiebegeisterung, den Friedenswahn und sogar den tierliebend-veganen Genussverzicht. Umso mehr verwundert es, dass sich die Linke immer noch als nonkonformistische Gegenkraft begreift, als Stachel im Fleische des Staates. Schließlich bedarf es großer Anstrengungen, sich auch dann noch als Rebell zu gerieren, wenn man ständig von allen nur Schulterklopfen und Verständnis erntet. Es ist daher ein großes Glück für die hiesige Linke, dass der bayrische Verfassungsschutz so paranoid ist, dass er tatsächlich in diesen Tofu-Würstchen noch eine Gefahr für die Eigentumsordnung sieht. Man weiß zwar nicht recht warum, aber der Antikommunismus beseelt in Bayern noch immer die Hüter des Staates. Davon lebt die Münchner Linke und das ist der Grund dafür, warum sie noch immer als irgendwie radikal erscheinen kann, wo sie doch tatsächlich nichts anderes tut, als denselben Quark zusammenzurühren wie die Süddeutsche Zeitung auch – mit dem einzigen Unterschied, dass die Redakteure der SZ in gepflegteren Lokalen ihre Freizeit verbringen.  Nur ein einziges Mal muss man das verranzte „Kafe Marat“ betreten, auf das sich die linke Szene so viel einbildet, und schon weiß man, mit wem man es zu tun hat. Der Name ist übrigens nicht zufällig gewählt: Ein richtiges Gespür für die eigene Verderbtheit legten die Namensgeber an den Tag, als sie ihren Schuppen ausgerechnet nach dem Jakobiner Jean Paul Marat (1743-1793) benannten, von dem die bekannte Wendung „Despotismus der Freiheit“ stammt und der als logische Konsequenz eifrig das Guillotinieren so genannter Volksfeinde vorantrieb. Auch die heutigen Linken würden dergleichen gerne tun und man kann mit Recht davon ausgehen, dass Bahamas-Redakteure in unmittelbarer Nähe zu US-Präsidenten, israelischen Soldaten und Klimasündern oben auf der Todesliste stünden. Dies sind die Ausflüsse einer antinationalen Gesinnung, die – natürlich ganz unvoreingenommen – alle Nationen gleichermaßen ablehnt und darauf zuläuft, ganz unverhohlen neben den Antifa-Klassiker „Nie wieder Deutschland“ ein saloppes „Nie wieder Israel“ anzufügen. Dies passiert nicht nur ohne Einspruch, sondern lässt sich in München tatsächlich auch noch als originelle Staats- und Gesellschaftskritik verkaufen.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Ludwigs Schein- und der linken Gegenwelt: Während ersterer ein Eskapist war, aber dabei immerhin noch der Humanität Tribut zollte, indem er seinen Reichtum, den er den Untertanen abgepresst hatte, wenigstens verprasste, sind die Linken nichts als Neidbeißer, die niemandem die Butter auf dem Brot gönnen und ein Leben in Elend, Schmutz und Dummheit propagieren. Anders als die Linke hat Ludwig II. wenigstens Wissenschaft und Kunst gefördert, während man im „Kafe Marat“ nur peinliche Erklärungen gegen den Staat verfasst, weil der mal wieder eine Hausdurchsuchung wegen kindischer Bastelheftchen („radikal“) angeordnet hat. Während gegen Bayerns Monarchen eine Revolution, die sich den Reichtum aneignet, ausgereicht hätte, muss man gegen die Linke schon schwerere Geschütze auffahren: Es geht um nichts weniger als um schonungslose Ideologiekritik, die den vom Warencharakter wie von dessen linker Verdopplung vernebelten Subjekten eine solche Kränkung verpasst, dass sie endlich anfangen zu denken. Über die Revolution kann man danach immer noch reden.

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ceci n’est pas une critique

Posted in Texte by monacoverein on April 29, 2010

Eine distanzierte Betrachtung der Münchner Linken

Am 30. April ist es mal wieder so weit. Nachdem die hiesige Linke sich bereits im Januar auf einer „Diskussionsveranstaltung zu linksradikaler und antifaschistischer Praxis in München“ kräftig auf die Schultern geklopft hatte, weil das „letzte Jahr […] nicht unbedingt schlecht für die radikale Linke in München“ verlaufen sei und es „im Rückblick betrachtet eine Vielzahl von Aktionen, Diskussionen, Mobilisierungen zu verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Entwicklungen“ gegeben habe, bereitet man nun eine große Demonstration vor, die laut Aufruftext „die Vielfalt emanzipatorischer Bewegungen mit ihren verschiedenen Herangehensweisen und Aktionsformen mit einem gemeinsamen Ausdruck zusammen“ bringen soll. Mit anderen Worten: Man plant eine groß angelegte Werbeaktion. Das ist durchaus typisch für die lokale linke Szene, die sich mächtig etwas darauf einbildet, von den Diskussionen und Brüchen, die es in allen anderen größeren deutschen Städten gibt, verschont geblieben zu sein und die sich absolut immunisiert hat gegenüber Denkanstrengungen und Positionierungen, die nicht den antikapitalistischen, antirassistischen und antisexistischen Konsens reproduzieren. Man ist hier unter sich. Alles – das heißt genauer: fast alles – ist erlaubt. Solange niemand „einseitig“ für Israel Partei ergreift oder den Islam als Feind jeglicher Emanzipation denunziert, kann man in den Szeneläden ungestört und unbehelligt für alles und nichts, eben „für ein ganz anderes ganzes“ sein, das niemandem weh tut. Führt man sich die diversen Aufrufe der Gruppen, die in trauter Eintracht gegen Kapitalismus auf die Straße gehen wollen, zu Gemüte, dann überkommt einen unwillkürlich die Erkenntnis, dass die Kritik der Münchner Linken nicht nur zahnlos ist, sondern peinlich zwischen verbaler Kraftmeierei und bemühter Ironisierung der eigenen Ohmacht pendelt. Denn wo kein Mut zur Subversion ist, sondern nur pseudoavantgardistisches Besserwissertum, wo den Verhältnissen gerade nicht ihre eigene Melodie vorgespielt wird, sondern gedankenlos antikapitalistische Phrasen abgespult werden, ja, wo das einzige Wagnis daran besteht, in der Öffentlichkeit ausgerechnet einen Bademantel zu tragen, weil es „ein Kleidungsstück [ist], welches Entspannung, Zufriedenheit und Wohlbefinden impliziert“ (und nicht etwa intellektuelle Verkommenheit, soziale Verwahrlosung sowie die Absage an Schönheit als zu erstrebendes Gut), da ist der linksradikale Aktivismus nichts anderes als ein Hobby, das man sich bis zum Ende des Studiums leistet. Jeder Beteiligte profitiert von diesem sozialen Netzwerk, sei`s wegen des Erlernens wichtiger skills („Sozialkompetenz“, „Teamarbeit“, Organisieren etc.), sei’s ob des Knüpfens wichtiger Kontakte, sei’s aufgrund der Schulungen im postmodernen oder sonstwie ideologischen Jargon des geisteswissenschaftlichen Milieus.

Zwar wirken die Flugschriften und Kommuniqués, die sie verfassen, bisweilen etwas altmodisch – wie alles in dieser Stadt (sogar das Kokettieren mit der „Schickeria“ versprüht noch immer den kleinbürgerlichen Humor der TV-Serie Kir Royal aus den 80er Jahren). Aber anschlussfähig sind sie allemal: Die Überwindung „einer Wirtschaftsweise, in der in erster Linie nach dem Profit und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet [sic!]“, fordern auch ausnahmslos alle Parteien im Deutschen Bundestag; Attac und andere Besessene sowieso. Dass man sich dabei im „Widerstand“ wähnt, wo man doch in Wahrheit eine vom Staat nicht bloß geduldete, sondern alimentierte Subkultur ist, gehört zum radical chic. Richtig ernst nimmt es niemand, weil jedem klar ist, dass es um nichts geht und alles irgendwie nur Spaß ist.

Das große Geheimnis der Subversion ist die Kritik. Sie hat nichts mit dem Nachäffen der proletarischen Sprache der KPD oder der autoritär-abgeklärten der Marxistischen Gruppe zu tun, sondern ist eins mit der Bereitschaft, sich von Erfahrungen auch dann beeindrucken zu lassen, wenn sie der eigenen Weltanschauung widersprechen. Ideologiekritik bedeutet demnach nicht, zum x-ten Mal das Fetischkapitel herunterzubeten oder den ahnungslosen Massen die Tatsache der unbezahlten Mehrarbeit zu erklären, sondern die reaktionären, zivilisationsmüden und zunehmend wahnsinnigen Anwandlungen der Mehrheit der Bevölkerung ins Visier zu nehmen. Dazu gehören nicht zuletzt der geradezu verbrecherische „Pazifismus“ der Linkspartei und die berechtigte Israelkritik des ideellen linksradikalen Gesamtmünchners vom Internetblog Bikepunk, die Vergewaltigerhatz des „Antisexistischen Aktionsbündnisses“ und der Neo-Gesellianismus der veganistischen DIY-Fraktion.

Aus all dem folgt: Die Linke, speziell die in München, muss endlich ein Objekt materialistischer Kritik werden. Es braucht Ruhestörer, damit die Harmonie aufbricht und der subkulturelle Opportunismus jede Anziehungskraft verliert. Wir versprechen: Wir werden von uns hören lassen.

gruppe monaco /// verein freier menschen (ao) im April 2010.

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